14 Ferdinande«
nands V. (Ferdinand IV. älterer Bruder Leopolds I., starb vor seinem Vater Fer-dinand III.), geschah 1830 bei versammeltem Landtag zu Presburg, und er heißtseitdem der jüngere König, ohne jedoch einen Antheil an den Angelegenheitender Reichsregierung zu nehmen. Am 12. Febr. 1831 vermahlte sich KönigFerdinand mit der Prinzessin Karoline Mariane, Tochter des Königs VictorEmanuel von Sardinien und der Erzherzogin Therese von Ostreich, Schwesterdes Herzogs von Modena. Im August 1832 wagte Franz Reindl, ein Haupt-mann außer Dienst, der den jungen König um eine Summe Geldes angespro-chen, statt derselben aber nur eine ansehnliche Gabe erhalten hatte, zu Baden beiWien einen frevelhaften Anfall auf ihn, indem er ein Terzerol auf ihn losdrückte,dessen Kugel ihn aber ohne alle wesentliche Verletzung nur leicht an der Schulterstreifte. Die Theilnahme des Publicums sprach sich auch bei dieser Gelegenheitsehr entschieden aus. Mit vielen Kosten und nicht geringer Kenntniß hat KönigFerdinand durch den einsichtsvollen Regierungsrath Keeß ein technologisch-indu-strielles Cabinet von großartiger Bedeutung angelegt. Übrigens war seither dieHeraldik sein Lieblingsstudium. (17)
Ferdinande a. In dem vulkanischen Gebiete auf der Nordküste Si-ciliens, zwischen der Insel Pantellaria und Sciacca, unter 37" 7' 30" N. B. und12" 14' O. L., entstand in den ersten Tagen des Jul. 1831 im Meeresboden einAusbruch, den einige Tage vorher Erdstöße angekündigt hatten, und es erhob sich eineInsel, zu deren Beobachtung sich so günstige Umstände vereinigten, daß wir inter-essante Aufschlüsse über die Entstehung vulkanischer Inseln erhalten haben. Dererste Beobachter war Francesco Trefiletti, der Führer eines sicilischen Fahrzeuges,der auf seiner Fahrt von Malta nach Palermo am 8. Jul. die vulkanische Er-scheinung sah, die er in einer Entfernung von drei Viertelmeilen beobachtete. Erhörte ein donnerahnliches Getöse und sah aus dem bewegten Meere eine schwarzge-färbte Wassermasse gegen 80 Fuß emporsteigen, die nach 10 Minuten niedersank,während sich eine dicke Rauchwolke aus ihr entwickelte, die den ganzen Horizonteinhüllte. Diese Erscheinung wiederholte sich in Zwischenräumen von 15 bis 30Minuten. Das Meer war rings umher mit tobten oder betäubten Fischen bedeckt.Einige Tage später sah man in Sciacca eine große Menge kleiner Schlacken aufdem Meere schwimmen, die ein frischer Südwestwind ans Ufer trieb. Es warenschwammige, feinblasige und hellgraue Gebilde, ohne Spuren von Bimstein, aberdurchzogen mit derben schwarzen Lavastückchen, worin man mit bewaffnetem Augezuweilen glänzende Körner, wahrscheinlich Augitkrystalle, entdeckte. Frischaufge-brochene Stücke entwickelten einen starken Schwefelwasserstoffgeruch. Die Natur-forscher, Friedrich Hoffmann aus Halle, Eschen aus der Schweiz, Philipp! undAugust Schultz aus Berlin, die sich zu jener Zeit in Palermo aufhielten, brachenalsbald auf und kamen am 20. Jul. in Sciacca an. Am 23. Jul. gingensie mit einem Küstenfahrzeug in die See, erreichten aber erst am folgenden Tagedie neue Insel, der sie sich allmälig bis auf eine Achtelmeile näherten. In dieserEntfernung bemerkten sie, daß die Insel aus dem Rande eines Kraters bestand, des-sen Wände durch die vulkanischen Auswürfe allmälig über den Wasserspiegel wa-ren erhöht worden. Diese ungleichförmige Erhöhung war am bedeutendsten ander Ostseite, wohin der herrschende Westwind den Auswurf trieb, und hier gegen00 Fuß hoch, niedriger an der Südseite, die nur wenig über den Wasserspiegel her-vorragte, und auf der Westseite. Hier erblickte man vom Schiffe das Innere desOberendes der gegenüberstehenden höhern Theile des Kraters, dessen Durchmesserauf 600 Fuß geschätzt wurde. Der ganze Rand schien nur lose aufgeschüttet zusein; schwarze Schlacken und Rapillimassen. Aus dem Krater stiegen unaufhör-lich Dampfe empor, wie Kugeln geballt, die sich im Emporsteigen entfalteten undblendend weiß im Sonnenschein, wie Schneemassen übereinandergehäuft, eine