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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
13
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Ferdinand (Kronprinz von Ostreich)

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gegenden, Aristo kratendruck in seiner empörendsten Gestalt, der Staatshaushaltzerrüttet durch Hofverschwendung und unverständige Nothmittel. Bei einer sol-chen L. des Landes konnten leicht frohe Hoffnungen erweckt werden, als der jungeKönig den Thron bestieg. Alle wegen Staatsverbrechen noch abzubüßendenStrafen wurden erlassen; die Verbannten sollten nach 5 Jahren zurückkehren; allein der letzten Zeit über politische Vergehen eingeleiteten Untersuchungen niederge-schlagen werden und politische Meinungen nicht mehr Hinderniß einer Anstellungsein. Nicht minder glückliche Aussichten schienen sich zu öffnen, als der König denverdorbenen Finanzzustand mit dem, durch die Zinsenlast der Staatsschulden an-geschwollenen Ausfall dem Volke offen vorlegen ließ, und durch Einführung stren-ger Sparsamkeit bald den Abgabendruck erleichtern konnte. Erweckten dieseSchritte die Hoffnung auf eine Neugestaltung des Staats in seinen Grundlagen,so ließ sich erwarten, daß fremder Einfluß machtig genug sein würde, die Grün-dung freier Staatseinrichtungen ein gefahrliches Beispiel für andere Theile derHalbinsel zu verhindern, zumal die Anhänger des Alten mit all seinen, ihnenvorteilhaften Misbräuchen im Stillen wirksam waren. Die vereitelten Hoffnungender Vaterlandsfreunde, welche die Nothwendigkeit eingreifender Umwandlungenerkannt hatten, gaben der Zchätigkeit der nie ganz unterdrückten geheimen Ver-eine neues Leben. In Sicilien, dessen Verwaltung der König seinem BruderLeopold, Grafen von Syrakus, übergeben hatte, erleichterte der, durch eine Mis-ernte erzeugte Mangel eine Verschwörung, welche auf die Unabhängigkeit der In-sel von Neapel gerichtet zu sein schien, aber im September 1831 im Augenblickedes Ausbruchs durch Waffengewalt und Hinrichtungen vereitelt ward. Auchin den Abruzzen war stille Gahrung, und die Reise, die der König im Som-mer 1832 in die nördlichen Theile des Reiches machte, war darauf berechnet,durch den Einfluß seiner Persönlichkeit die Gemüther zu gewinnen und zu be-ruhigen.

Ferdinand, erstgeborner Sohn Franz I. und dessen zweiter Gemahlin Ma-rie Therese, Tochter des Königs Ferdinand von Neapel, wurde am 13. April 179-3zu Wien geboren. Seine Gesundheit war in der frühern Jugend schwächlich und er-regteBesorgnisse,die erst in reifernJahren verschwanden und insonderheit dieWidmungzum Kriegsstande verhinderten. Sein erster Erzieher, derBaron Carnea-Steffaneo,ein Edelmann aus dem adriatischen Küstenlande, hatte den Ruf eines antiquari-schen und linguistischen Pedanten, wurde aber im April 1807 am Todestage derKaiserin Therese und, wie das Gerücht wollte, auf ihre letzte Bitte, plötzlich vonihm entfernt und an die Hosbibliothek versetzt. Der zweite Erzieher, Freiherr vonErberg, siel in Wahnsinn. Darauf trat als Obersthofmeister an dessen Stelle derFeldmarschall und Kriegsprasident, Graf Heinrich Bellegarde, ein in den schwie-rigsten Epochen und Geschäften des Friedens und Krieges rühmlich bewährterMann, der aber 1832 hohen Alters wegen diese Stelle niederlegte, worauf sie demOberstjägermeiste-r Grafen Hopes anvertraut wurde, der schon früher Adjutant undEhrenkammerer des Kronprinzen war. In den nächsten Jahren nach demBefreiungskrieg begann der Kronprinz Reisen durch einen Theil von Frankreich,Italien und der Schweiz, sowie durch die meisten Provinzen seines zukünftigenReiches, wo ihm seine Herzensgüte und Wohlthätigkeit viele Gemüther zuwendete.Er zeichnete sich besonders bei der, 1829 durch einen beispiellosen Eisstoß verursach-ten Überschwemmung und Verheerung der nördlichen Vorstädte Wiens aus. Be-sorgnisse vor dem neuen Jnauguraldiplom und den Foderungen der ungarischenReichsstände, die durch den Zeitgeist und durch manche frühere Gefährdung derConstitution waren hervorgerufen worden, brachten die von den meisten Königendes erloschenen habsburg'schcn Hauses befolgte Politik wieder in Anwendung, denSohn noch bei Lebzeiten des Vaters krönen zu lassen. Die Krönung Fcrdi-