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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
12
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12 Ferdinand II. (König beider Sicilien)

Herzog verweigerte das Gesuch seiner Räche, eine Oberbehörde zur Leitung derevangelischen Kirchenangelegenheiten zu ernennen, und erklarte, er werde nicht demihm empfohlenen Beispiele Sachsens folgen, und Rechte nicht aufgeben, die ihmals Souverain gebührten. Mehre Verfügungen, die er gleich nach seiner Glaubens-veränderung erließ, bewiesen deutlich genug die hierarchischen Einflüsse, die ihn leite-ten. Er befahl, daß das Abendmahl nicht mehr von reformirten Geistlichen denLutheranern und von lutherischen den Reformirten gereicht werden sollte, wie es imLande gebrauchlich war, und man erkannte darin die Absicht, einer völligen Unionder beiden, einträchtig neben einander wohnenden Glaubensparteien entgegenzuar-beiten; aber die öffentliche Meinung sträubte sich so sehr gegen dieses Verbot, daßes bald wieder zurückgenommen werden mußte. Die Verfügung, daß die evangeli-schen Prediger vor ihrer Verheirathung dem Herzoge den Gegenstand ihrer Wahlanzeigen und seine Genehmigung erwarten sollten, war als eine gesetzwidrige Be-schränkung der Freiheit noch auffallender und erhielt ein Seitenstück in dem Ver-bote an alle in Halle studirenden Theologen aus Kothen, Wegscheidels Vorlesun-gen zu besuchen. Auch an äußerm Glänze fehlte es nicht. Schon 1826 wurde dasFronleichnamsfest in Köchen durch eine festliche Procession gefeiert, welcher derHerzog mit seiner Gemahlin beiwohnte; der Papst schickte Reliquien und Kostbar-keiten für die Schloßkirche, und 1827 wurde durch den Bischof Mauermann ausDresden der Grundstein zu einer katholischen Kirche gelegt. Domainenpachter,die mit Pachtgeldern in Rückstand waren, boten gern freiwillige Baufuhren an,und manche Rittergutsbesitzer folgten dem laut gerühmten Beispiele. Dagegenzeigte sich der Herzog auch dem Adel gewogen, als er, consequent im Rückwärts-streben, das 1812 erlassene Verbot des Läutens bei Todesfallen der Ritterguts-besitzer aufhob, das, wie er sagte, aus der Zeit der revolutionnairen Grundsätzestamme und auf die Schmalerung der Ehrenrechte des Adels berechnet gewesen sei,die er gern erhalten und wiederherstellen wolle. Sachsen und Belgien schicktenihm Priester, und von der neueingerichteten Kanzel hörte man oft Angrisse gegenden Protestantismus, während protestantische Prediger, wenn sie die evangelischeFreiheit priesen, Verweise erhielten. Die Bemühungen, Proselyten zu werben,hatten keine glänzenden Erfolge, so eifrig des Herzogs Kammerherr, vom Papstezum Ritter des goldenen Sporns erhoben, diese Angelegenheit betrieb. Nur dieHofgunst konnte verführen. Die barmherzigen Brüder sollten auch in Kothenmit dem Mönchthum versöhnen, und es wurde gerühmt, wie die Herzogin selbstHemden und Betttücher für die Anstalt genäht habe, aber 1829, als die fröm-melnde Posse bald zu Ende ging, wurden auch Vorkehrungen zur Stiftung einesBettelklosters getroffen, und sechs Mönche aus verschiedenen Ländern herbeigeru-fen, die bald nach Ord-enssitte herumziehend, Almosen sammelten. AU diese Ver-kehrtheiten und die Umgriffe der unduldsamen Priester, die den Fürsten umgaben,hatten so viel Unmuth erweckt und das Volk so besorgt für seine kirchliche Freiheitgemacht, daß hier das verhangm'ßvolle Jahr 1839 gefährliche Erscheinungen her-vorgerufen haben würde, wäre nicht der Herzog am 23. August gestorben, ehe dieStürme in den Nachbarlanden losgelassen waren. Ihm folgte sein Bruder Hein-rich, Fürst von Pleß.

Ferdinand II., König beider Sicilien, geboren am 12. Jan. 18W,der Sohn Franzi, und der Jnfantin von Spanien, Jsabella Maria, folgteam 8. Nov. 1839 seinem Vater auf dem Thron. In dem schönen Lande, dessenHerrschaf, er erbte, war seit der Herstellung des alten Throns kaum ein Heilmittelversucht worden, die Wunden zu schließen, welche frühere Misverwaltung und dieKriegsjahre geschlagen, und frische Wunden waren hinzugekommen. Keine Frei-heit im Bürgerleben, keine Sicherheit im Innern, die Räuber, welche die Fremd-herrschaft zu bändigen wußte, wieder ein Schrecken deS Volkes in allen Gebügs«