Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
11
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Ferdinand Friedrich (Herzog zu Anhalt-Köchen) 1!

Förderung der Kunde der hebräischen Grammatik geschrieben. Sein berühmtestesWerk ist dieEin!eitung in die Bücher des N. T.", welche 1830 in Tübingen zumzweiten Male aufgelegt wurde. Seine Schicksale in Tirol hat F. in einer anony-men Schrift bekannt gemacht. (31)

Ferdinand (Friedrich), Herzog zu Anhalt-Kothen, geboren den 25.Junius 1769, war der älteste Sohn des Fürsten Friedrich Erdmann von An-Halt-Pleß, der als zweiter Sohn des 1755 gestorbenen Herzogs August Ludwigvon Anhalt-Kothen die Standesherrschaft Pleß in Oberschlesien, ein Gebiet von19 Quadratmeilen mit 31,000 Bewohnern, geerbt hatte. Der Prinz trat 1786in preußische Kriegsdienste, wo er zum Generalmajor aufrückte und sich in denFeldzügen am Rhein von 1792 94 auszeichnete. Nach dem Tode seines Va-ters (1798) lebte er in Pleß, bis er 1805 eine Reise nach Polen, der Moldau undWalachei unternahm. Er war auf dem Wege nach Konstantinopel, als Preu-ßens Rüstungen vor der Schlacht bei Austerlitz ihn zurückriefen. Nach der Schlachtbei Jena schlug er sich bei Aehdenik an der Spitze seines Regiments durch dieFeinde und kam glücklich über die Oder. Erfolglos war sein kühner Entwurf, daSbelagerte Breslau zu entsetzen, und als nach dem unglücklichen Vertheidigungs-kciege in Schlesien die wichtigsten Festungen den Franzosen waren überlassenworden, zog sich der Prinz mit den übrigen Truppen fechtend nach Böhmen, umsich von den Oesireichern entwaffnen zu lassen. Bald nachher nahm er seinen Ab-schied aus dem preußischen Kriegsdienst, und kam endlich, nachdem er Hollandund Frankreich besucht hatte, 1810 nach Pleß, wo er sich der Verwaltung seinerBesitzungen widmete. Als 1813 der Krieg begann, wurde sein Wunsch, an demruhmvollen Kampfe des preußischen Heeres Theil zu nehmen, nicht gewährt, under mußte sich mit dem Befehl über den schlesischen Landsturm begnügen. Er ver-mählte sich 1816 mit der Gräsin Julie von Brandenburg, der Tochter FriedrichWilhelms II. und der Gräsin von Dönhof, und als er 1818, nach dem Tode sei-nes Vetters, des unmündigen Herzogs Ludwig von Kothen, zum Besitz des Für-stenthums gelangte, überließ er seinem Bruder Heinrich (geb. 30. Jul. 1778) dieStandesherrschaft Pleß, welche unter seiner Verwaltung viele wichtige Verbesserun-gen erhalten hatte. Noch ehe er zur Regierung gelangte, war Kothen wegen des neuenGrenzzoll- und Verbrauchssteuersystems, welches auch die, von dem preußischen Ge-biet größtentheils eingeschlossenen anhaltischen Besitzungen gegen die Gewährungeiner bestimmten Entschädigungssumme umfassen sollte, in einen lebhaften Zwistmit Preußen gerathen, wozu später noch Streitigkeiten wegen des Elbzolls kamen.Herzog Ferdinand setzte nun den angefangenen Widerstand beharrlich fort, und derStreit wurde seit 1821 vor der Bundesversammlung lebhaft erörtert, bis endlich1828 eine Ubereinkunft zwischen Preußen, Köthen und Dessau ihn schlichtete.Während seines Aufenthalts in Paris trat der Herzog mit seiner Gemahlin zurkatholischen Kirche über, und beide legten am 24. October 1825 ihr Glaubensbe-kenntniß vor dem Erzbischof von Paris ab; ein Schritt, den das Gerücht aus frem-dem Einflüsse und andern Beweggründen erklärte, den aber die französischen hie-rarchischen Zeitungen als einen wichtigen und folgenreichen Sieg des Katholicis-mus erhoben. Die protestantischen Bewohner seines Landes vernahmen die Bot-schaft von der Glaubensänderung eines Fürsten, dessen Ahnherren unter den ruhm-vollen Vorfechtern der Reformation geglänzt hatten, mit unruhiger Besorgniß.In dem Lande des anhaltischen Familienhauptes, des Herzogs von Bernburg,wurde mit deutlicher Hinweisung auf jenes Ereigniß eine freimüthige Predigt ge-halten und durch den Druck verbreitet, während der König von Preußen in einemSchreiben an die Herzogin, dessen Veröffentlichung nicht ohne Rücksicht auf dieallgemeine Volksstimmung veranlaßt wurde, den Übertritt als einen unglücklichenEntschluß bezeichnete. Die Besorgnisse des Volks wurden bald gerechtfertigt. Der