Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
10
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VI Feilmoser

Richtung in gewissen Predigten beschuldigt, ließ F. diese Vorträge 1824 drucken;es sind vaterländische Reden, 1814 und 1815 in der Nähe des Kriegsschauplatzesund unter Beziehung auf die Zeitereignisse gehalten, und von interessanten Notizenüber ihre geschichtliche Veranlassung begleitet. Auf die Zeiten der Reaction folg-ten wieder andere. Als Leopold den Thron bestieg, und die französische Julius-revolution auch in Deutschland einen Umschwung herbeiführte, erhielt F. von derRegierung das Decanat zurück und erschien bald darauf, bei der Ständeversamm-lung von 1831, abermals als Volksvertreter. Auf diesem Landtage bewährteVa-ter Fecht", wie er in den geselligen Kreisen der Deputirten gewöhnlich genanntwurde, seinen alten parlamentarischen Ruf, immerdar kräftig auf der Seite desRechts und der Freiheit, als Redner, durch eine hohe Gestalt und tiefe Kraft-stimme begünstigt, eindringlich und populair, bei allen wichtigern DiscuffionenMitkämpfer, am ausgezeichnetsten wol bei der Protestation der Kammer gegen dieBundesordonnanzen und am Tage der Welcker'schen Motion über den Bundes-tag, wo F., während die Minister schon stehend der Abstimmung harrten, um denSaal zu verlassen, am entschiedensten und siegreich für die Aufrechthaltung unbe-dingter Redefreiheit sprach. (22)

Feilmoser (Andreas Benedict), Doctor und Professor der Theologie beider katholischen Facultät zu Tübingen, starb im August des Jahres 1831 an einerLungenkrankheit. Zu Hopfgarten im Brixerthale in Tirol 1777 geboren, verlorer früh -seinen Vater, einen Landmann. Aber die treue Pflege und die frommeSorgfalt einer trefflichen Mutter bildeten sein Gemüth und flößten ihm die Neigungzum geistlichen Berufe ein, welchem sich F. mit ebenso glücklichem Erfolg als gro-ßem Eifer widmete. Er studirte auf dem Gymnasium und der Hochschule zuSalzburg und trat darauf 1796 in das Benedictinerstift Fiecht in Tirol. Späterschickte ihn der dortige Abt zur Vollendung seiner Studien in das, seinem Ordenzugehörige Stift St.-Georg zu Villingen auf dem Schwarzwalde. Nachdem F. vondort wieder nach Fiecht zurückgekehrt war, erhielt er 1860 mit der Priesterweihe be-reits auch einen Wirkungskreis als Lehrer der Exegese des Alten und Neuen Testa-ments. Unbefangene Forschung und eine, jede fremde Autorität auf dem Gebietewissenschaftlichen Strebens mit Muth abwehrende Wahrheitsliebe machten kaumAufsehen in seinen Umgebungen, als schon eine Partei gegen den jungen Leh-rer sich zu bilden anfing. Namentlich fürchtete der Bischof von Brixen Gefahr fürdie katholische Orthodoxie. Damals wurde jedoch F. vor den, ihm drohenden Ge-fahren durch die Veränderung der politischen Verhältnisse bewahrt. Unter der bai-rischen Regierung in Tirol nahm er den Ruf zur ordentlichen Professur der orien-talischen Sprachen und der Exegese nach Innsbruck im 1.1806 an. Aber mit derRückkehr des Landes unter die östreichische Herrschaft erneuerten und vermehrtensich die Verunglimpfungen und Angrisse seiner starrgläubigen Gegner, und unterden sich immer mehr entspinnenden Verfolgungsplanen sah der, übrigens von sei-nen Zuhörern geachtete und verehrte Lehrer der völligen Auflösung seiner dortigenVerhältnisse entgegen, als ihn 1820 ganz unerwartet eine Berufung der würtem-bergischen Regierung jener bangen Lage entriß. Man sagt, daß vornehmlich dasglänzende Lob, welches auf Befragen der protestantische Theolog Bengel denexegetischen Schriften F.'s ertheilte, seinen Ruf nach Tübingen entschiedenhabe. Für die akademische Laufbahn war F. nicht allein durch Gelehrsamkeitund Scharfsinn, sondern auch durch persönliche Würde, Liebenswürdigkeit imUmgange und freundliche Förderung des jugendlichen Talents und Fleißes in ho-hem Grade geeignet. Seine Vorlesungen über Exegese des neuen Testamenteswaren, wie durch ihren Inhalt, so durch einen ruhig edeln Vortrag und geschmack-volle Form anziehend. Einzelne Fächer, z. B. Hermeneutik, behandelte er frei inlateinischer Sprache, die ihm geläufig und mit Eleganz floß. Mehres hat er zu