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den Leser in der Schwebe, um sein Empfinden langsam, allmählichausklingen zu lassen, was ohne Zweifel poetischer ist, als wie essein Original bringt:
Da hat dein Lied vom Felsen herMich in die Brandung hingezogen:
Sirenen-Kind, ich mußt' an deinen Klippen stranden sll, 257).
Wie ersichtlich, sind die meisten Gedanken, dichterischen Bilderund poetischen Wendungen auf Brentano's Gartenfeld gewachsen,weshalb es gewiß als sehr fraglich gelten muß, ob das Lied vonder schönen Lore Lay als geistiges Eigentum Heine's betrachtetwerden dürfe. Sein Anteil an dem Ganzen besteht darin, daß erdie entlehnten Gedanken und Züge so vereinigte und also zu ver-werten verstand, daß ein Kunstwerk geschaffen wurde, das, vonecht romantischem Zauber durchweht, den Leser in eine eigenartige,Eänmerische Stimmung versetzt und in banger Ahnung verläßt.Allerdings besitzt es, wie Keiter betont wissen will, „selbständigenWert", aber es ist denn doch kein Original, sondern bloß eineNachdichtung, eine Umbildung eines Brentano'schen Gedichtes, frei-lich eine „glückliche", mit E. Griesebach zu reden. Wenn indesdie „hannoversche Zeitung" (1894, Nr. 143) von einem Plagiatspricht und den Satz bringt: „die Parasiten auf unseren Eichen undReben, wir nähren und mehren sie — und wissen es nicht", somuß selbst diesen starken Ausdruck der Verehrer Heine's sich ge-fallen lassen. Wunder nehmen muß es, „daß dieser RaubHeine's ... an seinem Zeitgenossen sogar akademischen Kreisen undjungen Philologen. . . vollständig unbekannt ist", daß selbst dieHerausgeber Heine's hierüber kein Wort verlieren, als ob sie da-von nichts wüßten, oder ihrem Helden zu liebe die diesbezüglicheNotiz unterdrückten oder endlich der Anführung nicht für werterachteten.
Daß schließlich Heine's Sang so außerordentlich beliebt undvolkstümlich ward, während man von Brentano's Strophen nichtsweiß, ist nicht zuletzt der „rcichmelodischen, der Seele entsprungenenSangweise" zur Last zu legen, die sich also einzuschmeicheln versteht