Anhang.
Laudschafts- und Stimmungsbildchen in Strophe 2 sind Heine'sZugabe und somit Eigentum, alles übrige aus Brentano herüber-genommen, freilich, was hinzngefügt werden muß, trefflich ver-arbeitet. Gleich die ersten, einleitenden Verszeilen entbehren derOriginalität, da Brentano also vor ihm gesungen:
Was mag dich nur betrüben,
Daß du so traurig denkst? (II. 174).
Der Dichter läßt allerdings dem Leser kraft des wohlklingen-den, musikalischen Rhythmus kaum Zeit, sich zu besinnen und derParallelstelle nachzuforschen, indem er ihn rasch hinweggleiten läßtund ihn mit dem tiefempfundenen „Märchen aus alten Zeiten"fesselt und festhält. Der leise, hüpfende Tonfall und die vierzeiligeStrophe, die an etwas Geheimnisvolles gemahnen, bestricken also-gleich den Leser, daß er jeder Kritik vergißt und den indirektenFragesatz der ersten Verszeile („was soll es bedeuten", was es be-deuten soll) nicht als sprachlich unrichtig, als treffliches, unver-fälschtes Judendeutsch fühlt.
Der Aufblick zur Jungfrau, mag sie nun sitzen, wie b«üHeine, oder nach Brentauo's Darstellungen in den Klüften sich wieg...,ist für jedermann, „besinuungraubend, herzbethöreud":
Selig, wer vorüberschiffte,
Wen der Zauber nicht ergriff (II. 219).
Wen jedoch die Schönheit noch nicht bestochen, den lockt un-widerstehlich das „Lied" mit seiner „wundersamen, gewaltigenMelodei". In seinem „kleinen Schiffe" „ergreist" es ihn „mitwildem Weh", so daß er, nicht achtend der „Felsenriffe", „nurhinauf in die Höh'" seinen Blick gerichtet hält.
Ein Fischer saß im KahneIhm war das Herz so schwer (II. 99).
Da ward mein Herz so schwer, so schwer,
Ich schiffte einsam aus den Wogen (II. 257).
Er vergißt des Augenblicks, der Umgebung und starrt wietraumverloren zu der berückenden Sängerin empor:
Ich träumte hinauf die steile Höh'
Auf engen Felseustufen,
Und Hab' mit Ach und Hab' mit WehNach meinem Liebchen gerufen (II. 159).