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Heinrich Heine : In charakteristischen Zügen zum 100. [einhundertsten] Geburtstag
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Heine's Glaubensbekenntnis.

noch in Kauf zu nehmen vermacht, das aber erregte seinen unnenn-baren Schmerz, titanischen Trotz und maßlosen Zorn, daßdieGötter", die jene überwunden, sofeig und windig" seien undso schadenfroh nunim Schafspelz der Demut" herrschten. Mitdiesen erfundenen Göttern wurde die Welt ebenso betrogen, wieim frühesten Weltalter die junge Menschheitmit einigen tristenFormeln des Betruges". Doch gab es eine Zeit, die vor HeineGnade findet: die Urzeit der Kirche in den ersten Jahrhunderten,als das Christentum, das heute längst nicht mehr dasselbe ist, wases war,noch seinem göttlichen Stifter glich im Heldentum desLeidens" und hiedurch eben soschön, heilig-lieblich und heimlich-süß" war. Von jener Herrlichkeit, Begeisterung, Aufopferung,jenen Märtyrern und Psalmen ist fast nichts iibrig geblieben alsdies und jenes Heiligenfest,der Schindungstag des geduldigenMärtyrers" (VI. 131).

Der Katholizismus ärgerte ihn darum so schrecklich, weil mitihm und durch ihn eine Religion in die Welt gekommen,die nurblindtappende Genüsse erlaubt und jedem freien Gefühl ihr heuch-lerisches Feigenblättchen vorklebt", eineReligion, in deren erstenDogmen eine Verdammnis alles Fleisches enthalten ist," eineReligion, durch deren unnatürliche Aufgabe ganz eigentlich dieSünde und die Hypokrisie in die Welt gekommen," eine Religion,welchedie gothische Lüge" gebracht, eine Religion, die mit derLehrevon der auferlegten Hundedemut und Engelsgeduld die er-probteste Stütze des Despotismus geworden". Es sieht in der-selben gerade so ans,als ob der liebe Gott eben gestorben wäre,und es riecht dabei nach Weihrauch wie bei einem Leichenbegängnis,und dabei brummt eine so traurige Begräbnismusik, daß man dieMelancholik bekommt".

Die wundervolle Verbreitung der Kirche in den goldenenTagen des Christentums hat nichts Wundervolles, Staunenerregendesan sich,wenn man bedenkt, in welchem grauenhaft peinlichen Zu-stand (damals) die ganze römische Welt schmachtete": Man lebteein Leben der Verzweiflung, derenschauerlich-reizendste Blüte"eben der Katholizismus war. Um nun derselben zu entgehen,stürzte sich die Menge in den Tagen der schrecklichsten Tyranneiund Despotie der Cäsarenin die Aszetik, in die Abtötnngslehre,