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3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
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211
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Deutschland. 211

Der Postillon stößt in sein Harn,

Ich kenne das alte Gctnte —

„Es reiten drei Reiter zum Thor hinaus!"

Es wird mir so dämmrig zu Mute.

Mich schläferte und ich entschlief,lind siehe! mir träumte am Ende,

Daß ich mich in dem WunderbergBeim Kaiser Rotbart befände.

Er saß nicht mehr auf steinernem StuhlAm steinernen Tisch, wie ein Steinbild;

Auch sah er nicht so ehrwürdig aus,

Wie man sich gewöhnlich einbild't.

Er watschelte durch die Säle herumMit mir im trauten Geschwätze.

Er zeigte wie ein AntiquarMir seine Kuriosa und Schätze.

Im Saale der Waffen erklärte er mir,

Wie man sich der Kolben bediene,

Von einigen Schwertern rieb er den RostMit seinem Hermeline.

Er nahm ein Pfaucnwedel zur Hand,

Ilnd reinigte vom StaubeGar manchen Harnisch, gar manchen Helm,

Auch manche Pickelhaube.

Die Fahne stäubte er gleichfalls ab,lind er sprach: „Mein größter Stolz ist,

Daß noch keine Motte die Seide zerfraßUnd auch kein Wurm im Holz ist."

lind als wir kamen in den Saal,

Wo schlafend am Boden liegenViel tausend Krieger, kampfbereit,

Der Alte sprach mit Vergnügen:

„Hier müssen wir leiser reden und gehn,

Damit wir nicht wecken die Leute;

Wieder verflossen sind hundert Jahr',

Und Löhnungstag ist heute."

Und siehe! der Kaiser nahte sich sachtDen schlafenden Soldaten,

Und steckte heimlich in die Tasch'

Jedwedem einen Dukaten.

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