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3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
210
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Deutschland.

Der Kaiser bewohnt den vierten Saal.

Schon seit Jahrhunderten sitzt erAuf steinernem Stuhl am steinernen Tisch,Das Haupt auf die Arme stützt er.

Sein Bart, der bis zur Erde wuchs,

Ist rot wie Feuerflammen,

Zuweilen zwinkert er mit dem Aug',

Zieht manchmal die Brauen zusammen.

Schläft er oder denkt er nach?

Man kann's nicht genau ermitteln;

Doch wenn die rechte Stunde kommt,

Wird er empor sich rütteln.

Die gute Fahne ergreift er dannUnd ruft: „Zu Pferd! zu Pferde!"

Sein reisiges Volk erwacht und springtLaut rasselnd empor von der Erde.

Ein jeder schwingt sich auf sein Roß,Das wiehert und stampft mit den Hufen!Sie reiten hinaus in die klirrende Welt,Und die Trompeten rufen.

Sie reiten gut, sie schlagen gut,

Sie haben ausgeschlafen.

Der Kaiser hält ein strenges Gericht,

Er will die Mörder bestrafen —

Die Mörder, die gemeuchelt einstDie teure, wundersame,

Goldlockige Jungfrau Germania! —

Sonne, du klagende Flamme!

Wohl mancher, der sich geboren geglaubt,Und lachend auf seinem Schloß saß,

Er wird nicht entgehen dem rächenden Strang,

Dem Zorne Barbarossas!

Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie süß,Die Märchen der alten Amme!

Mein abergläubisches Herze jauchzt:

„Sonne, du klagende Flamme!"

Kapitel xv.

Ein feiner Regen prickelt herab,

Eiskalt, wie Nähnadelspitzcn.

Die Pferde bewegen traurig den Schwanz,Sie waten im Kvt und schwitzen.