Heuischlanö.
Ein Winter in ä r ch e n.
(Geschrieben im Januar 1L44.)
Vorwort.
Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjährigen MonatJanuar zu Paris, und die freie Luft des Ortes lochte in mancheStrophe weit schärfer hineilt, als mir eigentlich lieb war. Ichunterließ nicht, schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mitdem deutschen Klima unverträglich schien. Nichtsdestoweniger, alsich das Manuskript im Monat März an meinen Verleger nach Ham-burg schickte, wurden mir noch mannigfache Vedenklichkeiten in Er-wägung gestellt. Ich mußte mich dein fatalen Geschäfte des lim-arbeitens nochmals unterziehen, und da mag es wohl geschehen sein,daß die ernsten Töne mehr als nötig abgedämpft oder von denSchellen des Humors gar zu heiter uberklingelt wurden. Einigennackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenblätterwieder abgerissen, und zimperlich spröde Ohren habe ich vielleicht ver-letzt. Es ist mir leid, aber ich tröste mich mit dem Bewußtsein, daßgrößere Autoren sich ähnliche Vergehen zu Schulden kommen ließen.Des Aristophanes will ich zu solcher Beschönigung gar nicht erwähnen,denn der war ein blinder Heide, und sein Publikum zu Athen hattezwar eine klassische Erziehung genossen, wußte aber wenig von Sitt-lichkeit. Auf Cervantes und Molisre könnte ich mich schon vielbesser berufen; und ersterer schrieb für den hohen Adel beiderKastilien, letzterer für den großen König und den großen Hof inVersailles! Ach, ich vergesse, daß wir in einer sehr bürgerlichen Zeitleben, und ich sehe leider voraus, daß viele Töchter gebildeter Ständean der Spree, wo nicht gar an der Alster, über mein armes Gedichtdie mehr oder minder gebogenen Näschen rümpfen werden! Wasich aber mit noch größerem Leidwesen voraussehe, das ist das Zetcrjener Pharisäer der Nationalität, die jetzt mit den Antipathien derRegierungen Hand in Hand gehen, auch die volle Liebe und Hoch-achtung der Censnr genießen und in der TageSpresse den Ton an-geben können, wo es gilt, jene Gegner zu befehden, die auch zugleich