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3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
209
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Deutschland.

Die Königstochter seufzte tief:

„Wenn das meine Mutter wüßte!"Der Pferdekvpf herunter rief:

„Ihr Herze brechen müßte!"

Mit stockendem Atem horchte ich hin,

Wenn die Alte ernster und leiserZu sprechen begann und vom Rotbart sprach,Von unserem heimlichen Kaiser.

Sie hat mir versichert, er sei nicht tot.Wie da glauben die Gelehrten,

Er Hanse versteckt in einem BergMit seinen Waffengefährtcn.

Kyffhäuser ist der Berg genannt,Und drinnen ist eine Höhle;

Die Ampeln erhellen so geisterhaftDie hochgewölbten Säle.

Ein Marstall ist der erste Saal,

Und Korten kann man sehenViel' tausend Pferde, blankgeschirrt,

Die an den Krippen stehen.

Sie sind gesattelt und gezäumt,

Jedoch von diesen RossenKein einziges wiehert, kein einziges stampft.Sind still, wie aus Eisen gegossen.

Im zweiten Saale, auf der Streu,

Sieht man Soldaten liegen,

Viel tausend Soldaten, bärtiges Volk,Mit kriegerisch trotzigen Zügen.

Sie sind gerüstet von Kopf bis Fuß,

Doch alle diese Braven,

Sie rühren sich nicht, bewegen sich nicht,Sie liegen fest und schlafen.

Hochanfgcstapelt im dritten SaalSind Schwerter, Streitäxte, Speere,

Harnische, Helme, von Silber und Stahl,Altfränkische Feuergewehre.

Sehr wenig Kanonen, doch genug,

Um eine Trophäe zu bilden.

Hoch ragt daraus eine Fahne hervor,Die Farbe ist schwarz-rot-gülden.

Hcinc'S Wcrkc. H. Bd. 14