Druckschrift 
3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

Atta Troll,

Und er lief mit langen Beinen.

Aber, unbewußt, im LaufenHat er besseres gewonnen,

ÄlS die beste Schlacht ein Herz!

Ja, sie liebt ihn, ihn, den Erbfeind!O, der ungliicksel'gen Bärin!

Wüßt' der Vater das Geheimnis,

Ganz entsetzlich wiird' er brummen.

Gleich dem alten Odoardv,

Der mit Bürgerstolz erdolchteDie Emilia Gnlotti,

Würde auch der Atta Troll

Seine Tochter lieber töten,

Töten mit den eignen Tatzen,Als erlauben, daß sie sänkeIn die Arme eines Prinzen!

Doch in diesem AugenblickeIst er weich gestimmt, hat keineLust, zu brechen eine Rose,

Eh' der Sturmwind sie entblättert.

Weich gestimmt liegt Atta TrollIn der Höhle bei den Seinen.Ihn beschleicht, wie TodesahnungTrübe Sehnsucht nach dem Jenseits!

Kinder!" seufzt er, und es triefenPlötzlich seine großen Augen

Kinder! meine ErdenwallfahrtIst vollbracht, wir müssen scheiden.

Heute mittag kam im SchlafeMir ein Traum, der sehr bedeutsam.Mein Gemüt genoß das süßeVorgefühl des bald'gen Sterbens.

Bin fürwahr nicht abergläubisch,Bin kein Faselbär doch gicbt esDinge zwischen Erd' und Himmel,Die dem Denker unerklärlich.

Über Welt und Schicksal grübelnd,War ich gähnend eingeschlafen,

Als mir träumte, daß ich lägeUnter einem großen Baume.