Zeitgedichtc.
Entartung.
Hat die Natur sich auch verschlechtert,And nimmt sie Menschenfehler an?
Mich dünkt, die Pflanzen und die Tiere,Sie lügen jetzt wie jedermann.
Ich glaub' nicht an der Lilie Keuschheit,Es buhlt mit ihr der bunte Geck,Der Schmetterling; der küßt und flattertAm End' mit ihrer Unschuld weg.
Von der Bescheidenheit der Veilchenlt' ich nicht viel. Die kleine Blum',it den koketten Düften lockt sie,Und heimlich dürstet sie nach Ruhin,Ich zweifle auch, ob sie empfindet,Die Nachtigall, das, was sie singt;Sie übertreibt und schluchzt und trillertNur ans Routine, wie mich dünkt.
Die Wahrheit schwindet von der Erde,Auch mit der Treu' ist es vorbei.Die Hunde wedeln noch und stinkenWie sonst, doch sind sie nicht mehr treu.
Heinrich.
Ans dem Schloßhof zu CanossaSteht der deutsche Kaiser Heinrich,Barfuß und im Büßerhemde,
Und die Nacht ist kalt und regnicht.
Droben aus dem Fenster lugenZwo Gestalten, und der Mondscheintiberflimmert Gregors KahlkopfUnd die Brüste der Mathildas.
Heinrich mit den blassen LippenMurmelt fromme Paternoster;
Doch im tiefen KaiserherzcnHeimlich knirscht er, heimlich spricht er:
„Fern in meinen deutschen LandenHeben sich die starken Berge,
Und im stillen BergcSschachteWächst daS Eisen für die Streitaxt.