Neue Gedichte.
LS.
Unterwelt.
I.
„Blieb ich doch ein Junggeselle!"
Seufzet Pluto tausendmal —
„Jetzt in meiner EhstandsqualMerk' ich: früher ohne WeibWar die Hölle keine Holle.
„Blieb ich doch ein Junggeselle!
Seit ich Proserpinen Hab',
Wünsch' ich täglich mich ins Grab!
Wenn sie keift, so hör' ich kaumMeines Cerberus' Gebelle.
„Stets vergeblich, stets nach FriedenRing' ich. Hier im SchattenreichKein Verdammter ist mir gleich!
Ich beneide SisyphusUnd die edlen Danaiden."
II.
Ans goldenem Stuhl, im Reiche der SchaltenZur Seite des königlichen Gatten,
Sitzt ProserpineMit finstrer Miene,
Und im Herzen seufzet sie traurig:
„Ich lechze nach Rosen, nach SangesergüsscnDer Nachtigall, nach Sonncnküsscn —
Und hier unter bleichenLemuren und LeichenMein junges Leben vertraur' ich!
„Bin festgeschmiedet am EhejocheIn diesem verwünschten Rattenloche!
Und des Nachts die Gespenster,
Sie schaun mir ins Fenster,
Und der Styx, er murmelt so schaurig!
„Heut Hab' ich den Charon zu Tische geladenGlatzköpfig ist er und ohne Waden,
Auch die Totenrichter,
Langwsil'ge Gesichter —
In solcher Gesellschaft versaur' ich."