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3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
81
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Neue Gedichte,

Die Geige» verstummen, der Tanz ist auZ,Es trennen sich höflich die beiden,

Sie kennen sich leider viel zu gut,

Suchen sich jetzt zu Venneiden,

LI

24,

König Harald Harfagar.

Der König Harald HarfagarSitzt unten in MeeresgründenBei seiner schönen Wasscrfee;

Die Jahre kämmen med schwinden,

Vvn Nixenzanber gebannt und gefeit,Er kann nicht leben, nicht sterben;Zweihundert Jahre dauert schonSein seliges Verderben,

Des Königs Haupt liegt ans dem SchoßDer holden Frau, und mit SchmachtenSchaut er nach ihren Augen empor,

Kann nicht genug sie betrachten.

Sein goldnes Haar ward silbergrau,Es treten die BackenknochenGespenstisch hervor aus dem gelben Gesicht,Der Leib ist welk und gebrochen.

Manchmal aus seinem LicbestraumWird er plötzlich aufgeschiittert,

Denn droben stürmt so wild die Flutlind das gläserne Schloß erzittert.

Manchmal ist ihm, als hört' er im WindNormannenruf erschallen;

Er hebt die Arme mit freudiger Hast,

Läßt traurig sie wieder fallen.

Manchmal ist ihm, als hört' er gar,Wie die Schiffer singen hier oben,

Und den König Harald HarfagarIm Heldenliede loben.

Der König stöhnt und schluchzt und weintAlsdann aus Herzensgrunde,

Schnell beugt sich hinab die WnsserfeeUnd küßt ihn mit lachendem Munde.

Heine's Werke. II. Bd.

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