Druckschrift 
2 (1842) (1842)
Entstehung
Seite
260
Einzelbild herunterladen
 

260

hierdurch das Glockengeläute so vervielfacht, daß die Kirchen-Glocken die Steile der meistens noch mangelnden Uhrenvertraten, und ihr Gelaute zur Bezeichnung der ein-zelnen Tagesstunden diente.

Es ward nämlich damals gelautet: 1) Mit Anbruchdes Tages; 2) zur Zeit des nach der Jahreszeit sich rich-tenden Aufstehens; Z) früh um 9 Uhr; 4) Mittags um12 Uhr; 5) Nachmittags um 6 Uhr und o) in der Mitter-nacht um 12 Uhr, und diese Zeitpunkte, wonach man da-mals die Kirchenmetten u. f. w. regelte, obgleich späterhindie halb auf den Tag und halb auf die Nacht fallendenacht dorne vnuonioao des katholischen Gottesdienstes andersgeordnet wurden, konnten vermöge des ordnungsmäßig da-bei eintretenden Glockengeläutes recht wohl als Stunden-Messer dienen.

Eben der Umstand, daß man das regelmäßig angeordneteBetstunden-Geläute in der letztem Beziehung benutzte,macht es auch leicht erklärbar, warum eine lange Zeil hin-durch die Glocken eben so wie die Uhren tkorologia,Stundenzeiger genannt wurden*).

Die orientalische Kirche machte von der abendländi-schen Erfindung der Kirchen-Glocken erst seit dem letzten

*) Vcrgl. hierzu oben, Bd. I. S. 487, besonders aber die vomEngländer Barrington gelieferte Geschichte der Uhren, von wel-cher Beckmann a. a. O>, Bd. I- S. MI—318 eine, späterhinvon ihm noch durch einen Nachtrag dazu (Bd. It. S. 4N5 — 47I.)Vervollständigte Uebersetzung geliefert hat. In diesem Barrington-schen Aufsatze ist unter andern nachgewiesen, daß in England dieersten nicht-kirchlichen Läut-Glocken für die Gerichtshöfe von demErtrage der Strafgelder augeschafft wurden, und hier sowohl zumZusammenrufen des Gerichtspersonalc, so wie der Zeugen und Par-theien dienten, als auch die Stelle wirklicher Uhren vertraten.