Druckschrift 
2 (1842) (1842)
Entstehung
Seite
196
Einzelbild herunterladen
 

196

namentlich aus der Gegend von Pesaro, Faenza undUrbino eine sehr feine, bildsame Thonmasse dezogen, dieallem Anscheine nach von gyps artiger Beschaffen-heit war*).

Halt man dieß fest, so läßt sich auch ohne Anstoß be-haupten, daß jene Künstler nur so glücklich hatten seyndürfen, eine Thonmasse dieser Art mit etwas mehrSpath-Gehalt zu entdecken, oder wenigstens aus dieVermischung feiner Thoneroe mit Gyps-Spath zu verfallen,um sich den Weg zur Herstellung von wirklichem Por-zellan sofort eröffnet zu sehen; denn die achte Porzellan-Masse besteht aus Nichts, als feiner Thon-Erde undGyps - Späth. Auch sinven sich in dem sehr seltenen,metallurgischen, zu Venedig im Jahre I64V. 4. zum erstenMale gedruckten Werke des Jtaliäners VanuccioBiringvccio: Deila i^iroteebnia libri 'lieee, im sech-sten Abschnitt S. 74 mehrere Andeutungen über das rechte,thonanige Material zur Modellir-Kunst, welche es deutlichverrathen, wie nahe man in Italien schon in alier Zeitder Entdeckung wirklicher Porzellan-Erde gewesen: was umso einleuchtender wird, sobald man sich erinnert, daß ineiner von den drei italianischen Städten, welche wir soeven als Heimathsorte der feinsten, in alter Zeit bekanntenThonmasse bezeichnet haben, in Faönza im Kirchenstaate,schon seit dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts dieunter dem Namen Fayence-Waare allgemein bekanntenporzellanarligen Töpfer-Geschirre verfertigt werden, auf die

*) Vergl. K. A. Böttiger's Andeutungeir zu vier und zwanzigVorträgen über die Archäologie, Dresden 1806. 8., S. 28 u. ff.