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aus der Taubenstraße hätte jeder Lohnlakai dem künftigen Erben von Vol-taire's Ruhm gezeigt — das Andenken Lessing's frischte nur etwa gelegent-lich der Theaterzettel auf, wenn Lemm in der Rolle Nathan's des Weisendurch sein klassisches Spiel die Elite der Geister entzückte.
Freilich, was hätte auch Lessing's geharnischter Genius in jenen tristenAbendzeitungsjahren, wo auf dem deutschen Parnasse der romantische Spuknoch forttollte, wo die verlogene Empfindsamkeit der Clauren'schen Mimilis,der zum Anbeißen süßen Dingelchen und Mädchen, für unverfälschte Naturgalt, und Musik und Tanz und lärmende Gelage den pfiffig brutalen Sieg derRestauration in Staat und Kirche verherrlichten — was hätte Lessing's stolzerSchatten für eine andere Mahnung in diesen frivolen Mummenschanz hinein-rnfen können, als das Nsns telrsl am Feste des Belsazar! Verzerrt und ver-schroben war die ganze literarische Geschmacksrichtung. Selbst die an sich ge-rechtfertigte Bewunderung für die historischen Romane Walter Scott's, welchedamals in Berlin grassierte, trug einen lächerlich übertriebenen Anstrich, undnicht die gesunde Rückkehr auf den geschichtlich-nationalen Boden, welche späterWillibald Alexis und Ludwig Tieck von diesen neuen Kunstschöpfungenlernten, verschaffte'denselben eine so große Beliebtheit in Hütten und Pa-lästen, sondern der geheime Zusammenhang mit der romantischen An-schauungsweise der Zeit, .die reaktionäre Vorliebe des Verfassers für diemittelalterliche Feudalherrlichkeit, welche er in seinen Schilderungen herauf-beschwor. Bezeichnend genug erschienen die Gestalten der Walter Scott'schenRomane in der tanz- und verkleidungslustigen Residenz bald auch alsCharaktermaskeu aus einein Balle. „Ich inuss von den Werken Sir WalterScott's sprechen," berichtet Heine seinen Lesern in der Provinz ^), ^wcilganz Berlin davon spricht, weil sie der „Zungfernkranz" der Lesewelt sind,weil man sie überall liest, bewundert, bekrittelt, herunterreißt, und wiederliest. Von der Gräfin bis zum Nähmädchen, vom Grafen bis zum Lauf-jungen liest Alles die Romane des großen Schotten; besonders nnsre ge-fühlvollen Damen. Diese legen sich nieder mit „Waverley", stehen aufmit „Robin dem Rothen", und haben den ganzen Tag den „Zwerg" inden Fingern. Der Roman „Kenilworth" hat gar besonders Furore ge-macht. Da hier sehr Wenige mit vollkommener Kenntnis des Englischengesegnet sind, so muss sich der größte Theil unserer Lesewelt mit franzö-sischen und deutschen Übersetzungen behelfen. Daran fehlt es auch nicht.Bon dem letzten Scott'schen Romane: „Der Pirat" sind vier ÜbersetzungenStrodtinann, H. Heine, i. 3