Achtes Kapitel.
Das junge Palästina.
Die Betrachtung des im Wesentlichen schon in Bonn und Göttingengeschriebenen „Almansor" hat uns gezeigt, dass Heine, so wenig er ansden genannten Universitäten mit specifisch jüdischen Elementen in engereBerührung kam, oder es liebte, seine Ansichten über religiöse Dinge zurSchau zu tragen, dennoch im tiefsten Gemüth sehr erheblich durch die Ein-flüsse seiner israelitischen Abstammung und Erziehung bestimmt wurde.Diese Einwirkung dokumentierte sich bei dem jungen Freigeist, der vonGlaubensskrupeln nicht sonderlich quälend beunruhigt ward, und „nur nochan den pythagoräischen Lehrsah und ans königlich preußische Landrechtglaubte" 's?), M.Mngs minder durch eine zärtliche Vorliebe für das Fuden-thum, als durch einen bittern Unmuth über die rechtlosen Bedrückungen,unter denen seine Stammesgenossen — und er mit ihnen — leiden mussten.Er hatte in jener Tragödie seinem Groll gegen die Unterdrücker mit derrücksichtslosen Ehrlichkeit des Hasses Luft gemacht, die christenthumsfeind-liche Tendenz des „Almansor" war in dem schneidenden Hohn der Schluß-worte zu grellstem Ausdruck gelangt, und es empörte ihn in tiefster Seele,als Michael Beer, weniger stolz gesinnt, in seinem „Paria", statt dieSprache des Anklägers zu führen, nur auf die Thränendrüsen des Publi-kums zu wirken und ein schwächliches Mitleid für seinen durch den Uber-muth einer bevorzugten Kaste misshandelten Helden zu erregen suchte.„Die Zeiten sind so schlecht," heißt es in einem Briefe Heiue's an Frie-derike fliobert '2»^ ^lle M^schum klagen, und es ist sehr politisch von