Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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mit noch so guter Laune des Morgens aufgestanden, so wird doch gleichalle meine Heiterkeit fortgeärgert, wenn schon früh die Schuljugend, denJungfernkranz" zwitschernd, meinem Fenster vorüberzieht. Es dauert keineStunde, und die Tochter meiner Wirthin steht auf mit ihremFungsern-kranz." Ich höre meinen Barbier denFungsernkranz" die Treppe her-aussingen. Die kleine Wäscherin kommt mitLavendel, Myrt' und Thy-mian." So geht's fort. Mein Kopf dröhnt. Ich kann's nicht aushalten,eile aus dem Hanse, und werfe mich mit meinem Ärger in eine Droschke.Gut, dass ich durch das Rädergerassel nicht singen höre. Bei ""li steig'ich ab. Ist's Fräulein zu sprechen? Der Diener läuft.Ja." DieThüre fliegt ans. Die Holde sitzt am Pianoforte, und empfängt michmit einem süßen:

Wo bleibt der schmucke Freiersmann?

Ich kann ihn kaum erwarten."

Sie singen wie ein Engel! ruf' ich mit krampfhafter Freundlichkeit.Ichwill noch mgl von vorne anfangen," lispelt die Gütige, und sie windetwieder ihrenJungfernkranz", und windet und windet, bis ich selbst vorunsäglichen Qualen wie ein Wurm mich winde, bis ich vor Seelenangstausrufe: Hilf, Samiel! Und nun den ganzen Tag verläsft mich nichtdas vermaledeite Lied. Die schönsten Momente verbittert es mir. So-gar wenn ich bei Tische sitze, wird es mir vom Sänger Heinsius als Des-sert vorgedudelt. Den ganzen Nachmittag werde ich mitveilchenblauerSeide" gewürgt. Dort wird derFungsernkranz" von einem Lahmenabgeorgelt, hier wird er von einem Blinden herunter gefiedelt. Am Abendgeht der Spuk erst recht los. Das ist ein Flöten und ein Gröhlen undein Fistnlieren und ein Gurgeln, und immer die alte Melodie. DasKasparlied und der Jägerchor wird wohl dann und wann von einem illu-minierten Studenten oder Fähndrich zur Abwechselung in das Gesummehineingebrüllt, aber derJungfernkranz" ist permanent; wenn der Eine ihnbeendigt hat, fängt ihn der Andre wieder von vorn an; ans allen Häusernklingt er mir entgegen; Jeder pfeift ihn mit eigenen Variationen; ja, ichglaube fast, die Hunde auf der'Straße bellen ihn . . . Denken Sie je-doch nicht, dass die Melodie desselben wirklich schlecht sei. Im Gegen-theil, sie hat eben durch ihre Vortrefflichkeit jene Popularität erlangt.Äkais toujours psrllrix! Sie verstehen mich. Der ganzeFreischütz" istvortrefflich, und verdient gewiss jenes Interesse, womit er jetzt in ganz