Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
108
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Von poetischen Arbeiten wurde derAlmansor" im Laufe des Wintersnahezu beendet, und die ernste Beschäftigung mit dieser Tragödie, in dieHeine, wie er seinen westfälischen Freunden schrieb,sein eigenes Selbsthinein geworfen, mitsammt seinen Paradoxen, seiner Weisheit, seiner Liebe,seinem Hasse und seiner ganzen Verrücktheit", ließ ihn einigermaßen dieanregnngslose Sterilität des Göttinger Universitätslebens verschmerzen. An-gewidert gleichsehr von dem Gelehrtendünkel der Professoren wie von denRoheiten des studentischen Treibens, zog er sich, außer dem gelegentlichenVerkehr mit seinen Kommilitonen Waldeck und Funcke oder mit dem lite-rarisch hochgebildeten Sartorius, der, wie einst zu Bürger und A, W.Schlegel, jetzt zu Goethe in freundschaftlicher Beziehung stand, auf sichselbst zurück. Sartorius erkannte schon frühe das hervorragende Talentdes jungen Poeten, der sich in Göttingen so unbehaglich fühlte, und er-freute sich an dem Witz seiner Unterhaltung und an der leidenschaftlichenGwth seiner Verse.Indessen, man wird Sie nicht lieben", sagte er pro-sthetischen Tones. Von weiblichem Umgange gänzlich abgeschlossen, schafftesich Heine, wie er inden Briefen aus Berlin" scherzt, als Gefährtin seinerEinsamkeit wenigstens eine Katze an, und versenkte sich ausschließlich inseine Tragödie, an der er mit aller Kraftanstrengung arbeitete.

Aus diesem dichterischen Stillleben sollte ihn jedoch unversehens dieBerührung mit eben jenen rüden Elementen des Göttinger ^tndenten-lebens herausreißen, von denen er sich so geflissentlich fernzuhalten gesucht.Da der Vorfall, welcher ihn die Universität zu verlassen zwang, ein eigen-thnmliches Licht auf die studentischen Sitten und auf das Verhältnis derakademischen Behörden zu den Ehrenhändeln der ihrer Justiz untergebene»Jünglinge wirft, wollen wir über das an sich unbedeutende Ereignis etwasausführlicher, als sonst der Mühe verlohnte, berichten.

Während seines Aufenthaltes in Göttingen Heine mit mehren an-deren Studenten Mittags im MichaeliS'schen Hause. Als dort eines Tagesbei Tische das Gespräch auf die Verrufserklärnngen einer Verbindunggegen andere kam, sprach sich Heine in starken Ausdrücken gegen diese Un-sitte anö, und bezog sich dabei auf einen im Heidelberger Stndentenlebenunlängst vorgekommenen Fall. Der Student Wilhelm Wiebel ans Eutinbestritt die Wahrheit der von Heine angeführten Thatsache und verwiesihm in beleidigender Art, dass er sich ein Urtheil über dieselbe anmaße,da er nicht in Heidelberg gewesen sei. In Folge Dessen ließ Heine am