ganz durch die Phantasie bestimmten Form darstellt". Es ließe sich leinetreffendere Parodie auf dies willkürlich formlose Spiel der subjektivenLaune mit den tollsten Ausgeburten des Gehirns ersinnen, als die völligernstgemeinte Schilderung der poetischen Zeit am Schlüsse von Loeben'sRoman „Guido," wo uns in seraphischer Verzücktheit die Wunder be-richtet werden, so da geschahen, nachdem „auf dem Altar der Karfunkel ge-funden", nud unser Leben „ein ewiger Tanz mit Träumen und Herzen"geworden war: „Weiter wurde der Kreis, durch einander flogen die Tan-zenden. Oben in der Luft tanzten der Adler und der Phönix, die Narcisseund die Hyacinthe zusammen; sie beschrieben unaufhörlich Kreise um die Sonneauf des Königs Haupt. Und die Planeten fassten sich an und ranntenum die neue Sonne, und die Sterne fassten sich an und brausten um dieUnendlichkeit, und Milchstraßen tanzten mit Milchstraßen, und Ewigkeitenfassten Ewigkeiten an, und immer schneller und schneller zuckten sie durcheinander, und brannten auf, und schlugen empor, und stäubten verjüngendin die schmelzende Zeit hinein, und das Weltende jauchzte durch die sprü-henden Funken hindurch, und die Walzer flogen um Gott."
Die phantastische Verwilderung der Form, die aufs Neue eintretendeVermengung aller Kunstarten, von welcher erst vor Kurzem Lessing undseine Nachfolger nusre Poesie unter Hinweifung auf die griechischen Mustererlöst hatten, und die gegenstandslose Armnth des Inhalts in den roman-tischen Dichtungen ging freilich mit Notwendigkeit aus der versuchtenAnwendung so abgeschmackter Kunsttheorien hervor. Galt die wirklicheWelt Nichts mehr, wurden die Gesetze der Vernunft in den Bann gcthan,bestimmten die Eingebungen des subjektiven Gefühls und der von ihmaufgereizten Phantasie allein das künstlerische Schaffen, so muffte natürlichund folgerichtig jede feste Kontour, jede an das reale Leben erinnernd?plastische Gestaltung diesen Schriftstellern ein Gräuel sein. Vage, ver-schwommene Stimmungen, unbestimmte Empfindungen, „die liebliche Stille,das Säuseln des Geistes, welches in der Mitte der innersten und höchstenGedanken wohnt", das magische Dämmerweben des Traumes, die un-heimlichen Nachtseiten des Seelenlebens, Elfen-, Gespenster- und Hexen-spuk, sind das eigentliche Element dieser Poesie, welcher der stofflosesteStoff noch zu real, die formloseste Form noch zu maßvoll dünkt. Dawird das Märchen zum Drama, dessen marklose Schattengestalten sofortwieder in den Nebel lyrischer Dithyramben oder knnstphilosoplüscher Be-