Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
84
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Dil! von den Romantikern versuchte Wiedereinsetzung des Subjektsin seine Rechte überschritt also von vornherein alles vernünftige Maß.Diese Schriftsteller wollten nicht mehr, wie Schiller und Goethe es inihren besten Werken erstrebt hatten, die Kunst als Hebel der ethischen Er-ziehung der Menschheit benutzen, sondern Kunst und Poesie erschien ihnenals die einzige menschenwürdige Aufgabe des Lebens. Die reale Welthatte nur noch insofern Werth für sie, als sie ihnen Stoff zu poetischerVerklärung bot, und je trüber und schlechter die sie umgebende Wirklichkeitwar, desto verachtungsvoller wandten sie ihr den Rücken. Sie hatten keinenSinn für die Leiden des Volkes, für die Roth des Vaterlandes, für dierauhe Prosa des Lebens; ihren zwecklosen Gesang beseelte nicht jener hu-manistische Gedanke, der sich wie ein rother Faden durch die Werke Lessing s,Goethe's, Schiller'S und Herder's zog - in genußsüchtiger Kuustschwel-gerei versenkten sie sich ganz in ihr Inneres, und wiegten sich in den süßenSchwankungen des von seiner eigenen Herrlichkeit berauschten Gefühlsoder in den Märchenwundern der gegenstandlos sich selbst aufzehrendenPhantasie.

Diese die Phantasie ist das en nav der romantischenDichtung, ihr schrankenloses Walten das höchste Gebot des künstlerischenMenschen.Es ist der Anfang aller Poesie", lehrt Friedrich von Schlegel,der Doktrinär der Schule,den Gang und die Gesetze der vernünftigdenkenden Vernunft auszuheben und uns wieder in die schöne Verwirrungder Phantasie in das ursprüngliche Ehaos der menschlichen Natur zu ver-setzen, für das es kein schöneres Symbol giebt, als das Gewimmel deralten Götter". Der Theorie entspricht die Produktion. Von der raffiniertmartervollen SelbstbespiegelnngWilliam Lovell's" und den kalt ausge-klügelten LüsternheitenLucindens" oder der mystischen GefühlsmetaphysikHeinrich's von Ofterdingcn" bis zu den Schauergeschichten Brentano's,Arnim's und Hoffmann's oder den Blumeukoncerten desZauberrings"sehen wir in allen Knnstgebildcn der romantischen Schule dasselbe gänz-liche Verlassen der Wirklichkeit und des Sinnlichen, das mit Absicht völliggesetzlose, jeder Vernunftfessel enthobene Umhertaumeln der souveränenPhantasie; dennalle Beschränkung der Phantasie durch die Wirklichkeitist eine Beschränkung und Entwürdigung des menschlichen Wesens, einVerlust seiner angeborenen Unendlichkeit", und eben Das ist romantisch,was uns einen sentimentalen Stoff in einer phantastischen, d. h. in einer