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forschung aller Literaturen, und verschaffte uns jene meisterhaften Über-setzungen des Shakspeare, Calderon und der spanischen und italiänischenDichter, welche als Bausteine zum Tempel der Weltliteratur mit uner-müdlichem Fleiß binnen weniger Fahre zusammengetragen wurden. Ingleicher Tendenz erschlossen die Führer dieser literarischen Bewegung unsdie Sprache und Weisheit der Inder, entfalteten vor unfern trunkenenBlicken die wieder aufgegrabenen Schätze der mittelhochdeutschen Poesie,und ließen den langverschütteten Quell des heimatlichen-Volksliedes frischund rein hervorsprudeln mit ureigenem Rauschen.
In Allediesem lag eine Bereicherung und ein unzweifelhafter Gewinnfür die deutsche Literatur. Mochte der kosmopolitische Charakter der ro-mantischen Bestrebungen auch au sich nicht gefahrlos sein, so befreite erdoch unsre Dichtung von der Einseitigkeit hellenischer Muster, und leitetesie, obschon auf mancherlei Umwegen, schließlich auf den Boden nationalerKultur und Geschichte zurück.
Unfruchtbarer erwiesen sich die Leistungen der Romantiker auf demFelde selbständiger Produktion. Es war leichter, gegen die Kunstgesetzedes Klassieismus zu rebellieren, als einen neuen ästhetischen Kanon aufzu-stellen, und wir begegnen hier den abenteuerlichsten Versuchen. Das ruhigeEbenmaß von Inhalt und Form, die festumrisseneu Kontouren, die pla-stische Gegenständlichkeit der Gestalten, Alles, was sich die klassische Kunstzum Ziele gesetzt, wird von den romantischen Dichtern principiell verschmähtund verworfen. Im Drange, sich jeder Fessel zu entledigen, zerbricht dasSubjekt frevelnd das ewige Blaß seiner Kraft, und träumt sich in wirremTaumel zum Alleinherrscher einer phantastischen Welt, die kein Gesetz außerdem willkürlichen Spiel seiner Laune anerkennt. Es ist charakteristisch,dass zu einer Zeit, wo unsere Ration ohnmächtig und fast widerstandslosunter den antokratischen Willen des fremden Eroberers gebengt ward, dieindividuelle FreiheitSlnst, der im politischen Leben jede Bethätigung versagtschien, in unserer Literatur ihre wildesten Orgien feierte. Das Subjektstellte sich in bewußten Gegensatz zu der objektiven Außenwelt, es suchtedieselbe unerhörter Weise zu überwinden, indem es sie entweder völlignegierte, oder sie als eine feindliche Macht ansah, die verhöhnt und ver-nicklet werden müsse, und einzig die von der Phantasie erschaffene Traum-welt wurde für wirklich und wesenhalt erklärt, alles Wirkliche aber fürDunst und Schein.
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