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weiter lockte der Sirenengesang der Mnse von Hellas sie fort von denheimatlichen Gestaden, und die Schmeicheltöne des fremden Liedes be-zauberten so sehr ihre Sinne, dass sie zuletzt fast nur noch Herz und Ohrfür die Weise hatten, die über die Kluft von zwei Fahrtausenden zu ihnenherüber klang. Das Mittel wurde zum Zweck; es galt nicht mehr vorAllem, die griechischen Formen der deutschen Nationalität und dem Lebenund Inhalt der neuen Zeit anzupassen, fondern in deutscher Sprache zudichten, wie es das hellenische Kunstgefühl im goldenen Zeitalter längstverschollener Tage verlangt hätte. Nicht anders ist's zu erklären, wenn sichGoethe ausdrücklich vornahm, in seiner Achilleis ein Heldengedicht zuschaffen, das keine Zeile enthalten sollte, die nicht Homer hätte schreibenkönnen, und wenn Schiller in seinen Dramen vom „Wallenstein" bis zur„Braut von Messina" sich mehr und mehr beeiferte, die antike Schicksals-idee, die ideale Typcnhaftigkeit der Charaktere, und zuletzt gar den grie-chischen Chor, in die moderne Tragödie einzuführen. Fe ernster unsereDichter den eingeschlagenen Pfad verfolgten, nm so weiter entfernten siesich von dem ursprünglichen Ziele, um so mehr verloren sie den Bodender Nationalität, der Gegenwart, der Wirklichkeit aus den Augen, um sozwangvoller vertieften sie sich in ein abstraktes Formenspiel, über welchemdas eigentliche Wesen, der geistige Inhalt, schier vergessen ward. Es wareine nahe liegende Konsequenz dieses antikisierenden StrebenS, dass mit derBorstellnngswcise der Hellenen auch die griechische Mythologie in dmdeutsche Dichtung hinüber genominen, und die Kluft immer grösser wurde,die das Ideal-Leben der Poesie von den realen Bedürfnissen und dem Be-wnsstsein des Volkes abtrennte. Selbst Schiller, der in seinen kunstphilo-sophischen Abhandlungen so oft den Gedanken einer Erziehung des Men-schengeschlechts durch die Schönheit zur Freiheit und Sittlichkeit ausge-sprochen hatte, fand es immer schwieriger, in seinen Tragödien unmittelbarauf das Gefühl der Station zu wirken; so gröblich sah er seine Absichtenverkannt, dass man in „Maria Stuart" und der „Jungfrau von Orleans"katholisierende Tendenzen witterte; und die Erörterung über den Gebrauchdes Chores im Drama, weiche er der „Braut von Messina" voraufsandte,erscheint, trotz der entgegengesetzt lautenden Eingangsbemerknng, fast wieein verblümtes Geständnis, dass fein Werk sich nicht durch sich selbst recht-fertige und erkläre, sondern der künstlerischen Vertheidignng bedürfe. Un-glücklicher noch scheiterte Goethe's Versuch, in der „Natürlichen Tochter"