Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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ihrer Zeit und ihres Volkes wurzeln blieben, sondern den rauhen Bodender Wirklichkeit mit einer idealen Welt vertauschten, ein geistiges Hellasans deutscher Erde zu gründen suchten, uns mit den Formen der griechi-schen Poesie zugleich wesentliche Momente der hellenischen Weltanschauungaufdrängen wollten, die der fortgeschrittene Bildungsgang späterer Jahr-hunderte längst überwunden hatte. Hermann Hettner weist in seiner treff-lichen Schrift über die romantische Schule bedeutungsvoll auf eine Stelledes Goethe-Schiller'schen Briefwechsels hin, in welcher Schiller die Ge-fahren der damaligen Literaturepoche ungemein scharfsichtig und wahr cha-rakterisiert. „Zweierlei", sagt er, „gehört zum Poeten und Künstler: dasser sich über das Wirkliche erhebt, und dass er innerhalb des Sinnlichenstehen bleibt. Wo Beides verbunden ist, da ist ästhetische Kunst. Aberin einer ungünstigen, formlosen Natur verlässt er mit dem Wirklichen nurzu leicht auch das Sinnliche und wird idealistisch, und wenn sein Verstandschwach ist, gar phantastisch; oder will er und muss er, durch seine Naturgenöthigt, in der Sinnlichkeit bleiben, so bleibt er gern auch'bei demWirklichen stehen und wird in beschränkter Bedeutung des Wortes realistisch,und wenn es ihm ganz an Phantasie fehlt, knechtisch und gemein. Inbeiden Fällen also ist er nicht ästhetisch". Dem letztbezeichneten Fehlereines platten Kopierens der unschönen Wirklichkeit verfielen die Nicolai undWieland, die Jffland und Kotzebuc; den andern Irrweg eines idealistischenVerlassens der Wirklichkeit und des Sinnlichen betrat -zuerst Klopstock, alser in den Bardieten der Hermannsschlacht die PhantaSmagorie seiner aben-teuerlichen Urteutschen heraufbeschwor, und im „Messias" die blutlosenSchattengestälten einer religiösen Gefühlsschwelgerei an uns vorüber huschenließ. Vor einer so vollständigen Flucht aus der realen Welt und voreinem so unknnstlcrischen Ausgeben jeder plastischen Gestaltung blieben nunfreilich Schiller und Goethe durch ein tief eingehendes Studium der hel-lenischen Kunstgesetze bewahrt, die vor Allem eine sinnlich greifbare Dar-stellung der Charaktere und Situationen forderten. Schiller und Goetheverließen wohl den Boden ihrer Zeit und Umgebung, sie traten in ideali-stischen Gegensatz zu der Bildungsstufe ihrer Kulturepoche und zu denunmittelbaren Bedürfnissen ihrer Nation — aber sie gedachten, als sie indas Bad griechischer Schönheitsform hinabtauchten, nicht der Wirklichkeitüberhaupt zu entrinnen, sondern den Genius der deutschen Poesie injenem Schönheitsbade zu kräftigen und zu verjüngen. Aber weiter und