Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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die den tiefsten Grund der modernen Gesellschaft aufwühlenden Ideen derfranzösischen Revolution zu einer, alles individuellen Lebens entkleideten,geschichtsphilosophischen Allegorie zu gestaltein Wäre unsere Dichtung aufdiesem Wege fortgewaudelt, dann hätte sie nach so herrlichem Aufschwüngebald gänzlich in eine gelehrte Kunstpoesie auslaufen müssen, ohne sedevolksthümliche Wirkung, und in ihren Intentionen nur noch einem kleinenKreise verständlich, dessen antiquarische Bildung an der mühsamen Nach-ahmung klassischer Formen und an der galvanischen Wiederbelebung einerabgestorbenen Weltanschauung hätte Geschmack finden können.

Die nothwendige Reaktion und das naturgemäße Korrektiv gegenüberdieser maßlosen RückWendung zu antiken Kunstformen war die romantischeSchule. Wie groß und verderblich auch ihre späteren Verirrungen gewesensind und es liegt uns wahrlich Nichts ferner, als dieselben in beschöni-gendem Lichte zu schildern, so hoffen wir doch, heut zu Tage kaum mehrauf erheblichen Widerspruch zu stoßen, wenn wir die Einwirkung dieserSchule ans das Erwachen unsres nationalen Lebens und aus die volks-thümliche Entwicklung unserer Literatur im Ganzen und Großen als einenFortschritt betrachten. Freilich war der Kampf, den die Romantik gegenden Klassicismus führte, einseitig wie alle leidenschaftlichen Kämpfe, undschoss in der Folge weit über sein anfängliches Ziel hinaus. Aber in derLiteratur so wenig, wie im politischen Leben, schreitet der Entwicklungs-process eines Volkes in der ununterbrochenen, abweichungslosen Progressioneiner graben Linie fort. Zumal in stürmischen Zeitläuften wird das Schiff,welches die geistigen Güter der Nation an Bord trägt, wunderlich auf undnieder geschaukelt von den Wellen; Das ist ein Steigen und Sinken, einHerüberneigen nach rechts und nach links, und wir dürfen von Glück reden,wenn die Fluthbewegung des Meeres den schwanken Kiel nicht völlig vomrichtigen Konrse verschlägt, sondern ihn langsamer oder schneller dem Haseneiner verheißungsvollen Zukunft entgegen treibt.

Wir sahen, in wie bedenklicher Weise sich die antikisierende Richtung un-serer Klasfiker zuletzt bei dem Einen in ein gewaltsames Experimentieren mithellenischen Kunstsormen, bei dem Andern in die schattenhafteste Symbolikverirrte. Die deutsche Poesie, welche erst seit kaum einem Menschenalter ausder Abhängigkeit von französischen Mustern befreit worden, gerieth in Gefahr,abermals den Einflüssen der Fremde - wenn auch diesmal eines besserenVorbildes - zu versallen, und nur allzu gefügig schmiegte sie sich in dasStrodtnmim, H. Heine, r. 6