Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
74
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des Menschen, alle Theologie als Anthropologie, und nicht nnr unsrejeweilige Vorstellung von Gott, sondern das göttliche Wesen selbst istnichts Anderes mehr, als das von nns objektivierte, der individuellenSchranken entkleidete Wesen des Menschen,blnmn llnmini llous sst".

Es hieße jedoch die Vergangenheit aus der Gegenwart, das Frühereaus dem Späteren ableiten, wenn wir annehmen wollten, dass die zer-setzende Bedeutung der neueren Philosophie und ihre nothwendige letzteKonsequenz zu Anfang unsres Jahrhunderts schon von irgend einem derdamaligen Schriftsteller deutlich erkannt worden sei. Der deutsche Geistglich vielmehr einem Richter, der Parteilos, mit unbefangenem Sinne, dieAkten eines wichtigen Processes prüft, und im Voraus unmöglich wissenkann, welche Entscheidung er nach gewonnener Einsicht in alle Details desFalles schließlich abgeben mnss. Oder er glich einem rüstigen Wanderer, derden niebetretenen höchsten Gipfel eines Gebirges erklimmen will, und, so ofter einen Berg erstiegen hat, hinter diesem wieder einen neuen Felskegel em-porragen sieht, ohne sagen zu können, ob dieser nun endlich sich als derwolkennächste Äthersitz erweisen wird. Wenn ein scharfer und ehrlicherDenker wie Fichte noch mit Befremden und Entrüstung den Vorwurf desAtheismus zurückwies, so dürfen wir uns wohl überzeugt halten, dass einemSchiller oder Goethe die religionsfeindliche Tendenz der philosophischenKämpfe nicht minder ein Geheimnis war, als den übrigen ihrer Zeitge-nossen. Goethe, der sich die harmonische Ruhe des Daseins um jedenPreis ungetrübt zu bewahren strebte, und sich, wie gegen die großen Po-litischen Staatsumwälznngen, so auch gegen die Revolution auf dem Feldeder Philosophie ablehnend verhielt, erlebte freilich noch großentheils die spä-teren Phasen dieser Bewegung, und es ist zweifelhaft, ob er mehr sichselbst oder sein Publikum über die Tragweite derselben zu täuschen suchte.

Auch die Romantiker hatten schwerlich ein viel schärferes Bewusstseinvon der allmählichen Auflösung der früheren religiösen, sittlichen und po-lischen Ideale durch die Einwirkung der Philosophie. Am wenigsten be-griffen sie die positive Bedeutung der neuen Lehren; eher schon erkanntensie hin und wieder deren negative, zerstörende Seite. Bevor wir jedochans diese Gegensätze zurückkommen, müssen wir einige Bemerkungen über denEntwicklungsgang der deutschen Dichtung bis zum Auftreten der roman-tischen Schule voraussenden.

Die von Luther unternommene Kirchenreformation ward bereits oben