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Prediger, zuerst in dem Centrum des poetischen Brennspiegels, vor Allemin seinem „Nathan", zusammen. Sein Ringen und Kämpfen diente mitBewusstsein dem Zwecke, die Menschheit von dem Joche des „Wortes"'des todten Buchstabens, zu erlösen. Ihm hatte bereits jedes religiöseBekenntnis nur in dem Grade Werth, in welchen: es sich als ein Spornzu edlen Thaten erwies.
Den zweiten kühnen und wahrhaft entscheidenden Schritt an dieserRichtung that Immanuel Kant, der Schöpfer der kritischen Philosophie"Mit unerbittlich scharfer Logik pruste er die Quellen der menschlichen llr-theilskraft auch aus religiösem Gebiete, er zerstörte die herkömmlichen Be-weise für die Existenz eines persönlichen Gottes, dessen Dasein nur nochals unbeweisbares Postulat der praktischen Vernunft behauptet ward, undsetzte an die Stelle des blinden Dogmenglanbens der Kirche die For-derung eines reinen Vernunftglanbens und einer anS dem Wesen und derErkenntnis unseres freien, sein Gesetz in sich selbst tragenden Willens ab-geleiteten Moral. Es ist bekannt, mit welchem Eifer und mit wie glück-lichem Erfolg besonders Schiller sich durch diese mnthvolle Philosophie zugedankenreichen poetischen Produktionen anregen ließ, deren erhabenerSchwung noch heut nnsre Augend begeistert. Die Bedeutung von Kants„kategorischem Imperativ", die Forderung, dasS der Mensch das seinerBrust eingeschriebene, auf Freiheit und Selbstbestimmung des Willensbasierte höchste Gesetz der Sittlichkeit mit nie erlahmender Kraft in all'seinen Handlungen bethätige, konnte nicht leicht eindringlicher ausgesprochenwerden, als mit Schillers Worten:
Nehmt die Gottheit auf in euren Willen,
Und sie steigt von ihrem Weltenthron.
Während Schiller mehr die negative Seite der neue» Weltanschauung,die Befreiung von dem Joche der alten Satzungen ans sittlichem, reli-giösem und Politischein Felde betonte, waren andere Dichter so nament-lich Herder — bemüht, in friedlicher Vermittlung den Positiven, humani-tarischen Inhalt der jungen Doktrin mit den etwa noch lebenskräftigenElementen der alten Lehre in Einklang zu setzen. Doch führten, bei ihrerschwankenden Unentschiedenheit und bei der rasch fortschreitenden Entwick-lung des Philosophischen Kampfes, diese Vermittlungsversuche in der Folgemeist, wie bei Herder, zu einer erbitterten Befehdung des neuen Princips,das nicht so bequem und versöhnungsdurstig mit sich handeln ließ, sondern