So tanz' ich auf dem großen Maskenballe,
Umschwärmt von deutschen Rittern, Mönchen, Köu'gen,Von Harlekin gegrüßt, erkannt von Wen gen.
Mit ihrem Holzschwert prügeln sie mich Alle.
Das ist der Spaß. Denn wollt' ich mich entmummen,
So muffte all das Galgeupack verstummen.
In dieser Verwendung des Sonetts, der maßvollsten und zierlichstenDichtungsart, zu kraftgenialischen Ausbrüchen der Verzweiflung und bur-lesken Zornergüssen einer schwarzgalligen Phantasie spricht sich schon un-gemein deutlich das eigenthümliche Wesen des Humoristen aus. Er zer-sprengt das Gefäß der Kunst, indem er es zu Zwecken missbraucht, fürdie es nimmer geschaffen ward. Form und Inhalt decken sich nicht mehr,sondern stehen in Widerspruch zu einander; der gewaltige Inhalt überragtpossierlich die winzige Form, und im Bestreben, sie zu erweitern, verschiebtund verzerrt er ihre Linien über das Schönheitsmaß hinaus zur lächerlichenFratze; das Große erscheint klein durch den beengenden Druck des Rah-mens, aus dem es unförmlich hervorquillt, das Kleine hinwieder bläht sichzu barocker Größe aus; das Märchen wird zur Tragödie, die Tragödiesinkt zur Farce herab; aus den Blumen ringeln sich giftige Schlangen,und statt des süßen Mädcheugesichts, dessen Lächeln den Dichter bezauberte,starrt ihn ein Medusenhaupt an, das kalt und erbarmungslos mit ver-steinerndem Hohn auf ihn niederblickt. — Mit welchen Gedanken magSchlegel diese „Fresko-Sonette" gelesen haben, deren Titel schon einenironischen Hinweis auf die derben Pinselstriche gab, welche hier an dieStelle der seinen Miniaturmalerei getreten? Ahnte er wohl, dass in diesemseltsamen Spiel mit den traditionellen Formen der Poesie ein rebellischerGeist, ihm selbst unbcwusst, schon die Pfeile schärfte zum Kampfe widerdieselbe Romantik, in deren gespenstischem Reigen er heute noch als ge-treuer Schildknappe eiuherzog? Oder täuschte den Heerführer des roman-tischen ChoruS eben jene Ironie über den tieferen Ernst, welcher ihr zuGrunde lag? . . .
Nachdem Heine in den „Fresko-Sonetten" an seinen Freund ChristianSethe die stumme Qual semes Herzens ausgeschrieen, überkam ihn allge-mach eine sanftere Stimmung, und er. sckloss den verzweislungstollen Ge-dichtcpklus mit dem weicberen Liede:
Strvdtmim». H. Heme. i, ü