64
gen der Poetischen Literatur des Inlandes und Auslandes mit aufmerk-samen Blicken verfolgte, blieb auch sein dichterischer Schöpsungsdrangnicht müßig. Die Traumbilder, Lieder und Romanzen der „Fungen Leiden"waren zum größten Theil schon in Hamburg und, nach der Rückkehr vondort, in Düsseldorf entstanden; einige derselben wurden jedoch erst in Bonnverfasst. So auch fast sämmtliche Sonette. Diese Versart war, nachBürger's Vorgange, hauptsächlich durch die Romantiker wieder in Auf-nahme gebracht worden, und sicherlich ward auch Heine zunächst durch dieAnregungen Schlegel's bestimmt, sich in diesem reizenden Spiel kunstvollerReimverschlingungen in streng geschlossener Form zu versuchen. Weit ent-fernt jedoch, sich mit einer Nachahmung der vorgefundenen Muster zu be-gnügen, trug er in den „Fresko-Sonetten" einen ganz neuen Inhaltin die überlieferte Form. Während Bürger in den vierzehnzeiligen Reim-Paaren seine weichen Licbesklagen ausgehaucht, Schlegel sie vorherrschendzur Einkleidung kunstphilosophischer Aphorismen benutzt, der jüngere Nach-wuchs der romantischen Schule ein leeres Wortgeklingel damit getrieben,und Rückert sie als scharfe Waffe im Freiheitskriege geschwungen hatte,schuf Heine aus ihnen die eisernen Reisen, in welche er mit ingrimmigerWuth den ganzen unheilbaren Wahnsinn seiner Liebesschmerzen und allseinen titanischen Trotz gegen eine Welt hineinzwängte, die ihm, wie einschaler Mummenschanz, nur noch eines Hohnlachens Werth erschien.
Denn wenn des Glückes hübsche SiebensachenUns von des Schicksals Händen sind zerbrochen,
Und so zu unsern Füße» hingeschmissen;
Und wenn das Herz im Leibe ist zerrissen,
Zerrissen, und zerschnitten, und zerstochen, —
Dann bleibt uns doch das schöne gelle Lachen.
Gieb her die Larv', ich will mich jetzt maskieren,In einen Lumpenkerl, damit Halunken,
Die prächtig in Charaktermasken prunken,
Nicht wähnen, ich sei Einer von den Ihren.
Gieb her gemeine Worte und Manieren,Ich zeige mich in Pöbclart versunken,
Verleugne all' die schönen Geistesfunken,
Womit jetzt fade Schlingel kokettieren.