Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
57
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insbesondere die Beschäftigung mit der alt- und mittelhochdeutschen Poesie,waren durch die Bestrebungen der romantischen Schule, von welcherim nächsten Abschnitt ausführlicher die Rede sein wird, eifrigst gewecktworden, und fanden, wie schon das Verzeichnis obiger Vorträge lehrt, aufder rheinischen Hochschule eine hervorragende Vertretung. Durch von derHagen's Herausgabe der St. Galler Handschrift des Nibelungenliedes warseit einigen Jahren die Aufmerksamkeit der ganzen literarisch gebildetenWelt vor Allem auf dies größte Meisterwerk mittelalterlicher Poesie hinge-lenkt worden; eine andere wichtige Handschrift desselben Gedichtes, dersogenannte rheinische Kodex, befand sich im Besitze des Docenten Hundes-hagen, der eine kritisch-historische Ausgabe des Nibelungen-Epos beabsich-tigte, während Schlegel die Schönheiten des letztern in seinen kunstvollgerundeten Vorlesungen feinsinnig analysierte, und in den Herzen seinerjugendlichen Zuhörer ein begeistertes Interesse für die neu entdecktenSchätze der ersten Blüthezeit unsrer Literatur wachrief.Es war langeZeit", schreibt Heine bei einem gelegentlichen Rückblick auf diese Bemü-hungen der romantischen Schule um die Wiedererweckung der altdeutschenPoesie, b>)von nichts Anderem als vom Nibelungenlied bei uns die Rede,und die klassischen Philologen wurden nicht wenig geärgert, wenn mandieses EpoS mit der Jlias verglich, oder wenn man gar darüber stritt,welches von beiden Gedichten das vorzüglichere sei. Jedenfalls ist diesesLied von großer, gewaltiger Kraft. Die Sprache, worin es gedichtet, isteine Sprache von Stein, und die Verse sind gleichsam gereimte Quadern.Hie und da aus den Spalten quellen rothe Blumen hervor, wie Bluts-tropsen, oder zieht sich der lange Epheu herunter, wie grüne Thränen".Der Dichter verzweifelt daran, von den Riefenleidenschaften, die sich indiesem Liede bewegen, den Franzosen einen Begriff zu geben:Denkt euch,es wäre eine helle Sommernacht, die Sterne, bleich wie Silber, aber großwie Sonnen, träten hervor am blauen Himmel, und alle gothischen Domevon Europa hätten sich ein Rendezvous gegeben auf einer ungeheuerweiten Ebene, und da kämen nun ruhig herangeschritteu der StraßburgerMünster, der Kölner Dom, der Glockenthurm von Florenz, die Kathedralevon Ronen u. s.w., und Diese machten der schönen Notre-Dame-de-Paris ganzartig die Kour. Es ist wahr, dass ihr Gang ein bischen unbeholfen ist,dass einige darunter sich sehr linkisch benehmen, und dass man über ihr ver-liebtes Wackeln manchmal lachen könnte. Aber dieses Lachen hätte doch