Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

liehen hast und Dergleichen, ich liebe dich vielleicht nur wegen einigerpudelnärrischen Redensarten, die dir mal entfallen und die mir im Ge-dächtnis kleben geblieben sind, und mich freundlich umgaukeln, wenn ichgut gelaunt, oder bei Kassa, oder sentimental bin". --

Dem auf Wunsch seines Oheims ergriffenen Brotstudium der Rechts-wissenschaft vermochte der junge Poet keinen Geschmack abzugewinnen. Wasgalten ihm die Institutionen des Gajus, was ihm das graue Spinnweb-netz der Pandekten? Sein lieb- und schönheitdurstiges Herz fühlte sich un-muthig eingeklemmt zwischen deneisernen Paragraphen selbstsüchtigerRechtssysteme", und nach wenig' Wochen sah man ihn nur äußerst seltennoch ein juridisches Kolleg besuchen. Desto fleißiger wohnte er den übrigen,nach Neigung gewählten Vorlesungen bei, deren er, trotz ihrer großenZahl, selten eine versäumte.Geschichte", sagt Steinmann, welcherzum Theil dieselben Kollegien frequentierte,besonders deutsche Geschichteund Literatur, war sein Hauptstndium während seines akademischen Auf-enthaltes auf der Rheinuniversität. Die Vorlesungen Hüllmann's, Radlof'sund Schlegel's hörte er sämmtlich ohne Ausnahme. Seine Hefte warenvollständig und sauber geschrieben; denn er schrieb schnell und schön zugleich eine Kaufmannshand, und revidierte täglich seine Aufzeichnungen,in seinen Lieblingsstudien gewissenhaft wie Einer". Unter den Vorlesungen,die Heine im'ersten Semester besuchte, und worin meistens deutsche An-tiquitäten behandelt wurden, zählt er selber die folgenden auf:I) Ge-schichte der deutscheu Sprache bei Schlegel, der fast drei Monat lang diebarocksten Hypothesen über die Abstammung der Deutschen entwickelte,2) die Germania des Tacitus bei Arndt, der in den altdeutschen Wäldernjene Tugenden suchte, die er in den Salons der Gegenwart vermisste, 3)germanisches Staatsrecht bei Hüllmann, dessen historische Ansichten nocham wenigsten vag sind, und 4) deutsche Urgeschichte bei Radlof, der amEnde des Semesters noch nicht weiter gekommen war, als bis zur Zeitder Sesostris". Fügen wir hinzu, dass Harry außerdem ein regelmäßigerZuhörer in Professor Delbrück's literaturgeschichtlichen und ästhetischenVorträgen war, und mit nicht geringerer Aufmerksamkeit die Belehrungendes Privatdocenten Hundeshagen über Kunst und Leben des Mittelaltersentgegen nahm, so erkennen wir leicht, welchen Anregungen die damaligeVorliebe des Dichters für altdeutsche Geschichte, Kunst und Literatur ent-sprang. Das Studium des Mittelalters, die germanistischen Forschungen,