Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

haltenen Briefe und Gedichte aus seinen Universitätsjahren ein Zeugnisdafür, dass er in dieser Zeit mannigfache Verbindungen anknüpfte, denenein warmes Freundschaftsinteresse zu Grunde lag, und von denen nichtwenige bis ans Lebensende fortdauerten. Die Freunde mussten sich freilichseine oftmals wechselnden Launen, und vor Allem die muthwilligen Ein-fälle eines Humors gefallen lassen, der Nichts, was ihm lächerlich vorkam,mit seinem Spott verschonte dafür ertrug aber auch Heine mit uner-müdlicher Geduld ihre Fehler und Schwächen, und erhob niemals denAnspruch, dass ihre Neigungen oder Ansichten mit den seinigen überein-stimmten. Der spätere Briefwechsel mit Moser giebt uns zahlreiche Bei-spiele dieser toleranten Gemüthsstimmung, welche vom Freunde nur Ver-ständnis und liebevolle Theilnahme, keineswegs aber Billigung oder Be-wunderung für die Handlungen, Gefühle und Überzeugungen des Andernverlangt;er mag sie loben oder tadeln je nach seinen eigenen Principien,aber immer soll er sie verstehen, ihre Nothwendigkeit begreifen, von un-serem besonderen Standpunkte aus, wenn auch der seinige ganz verschiedenist".Dass Gans mir versöhnend schreiben wollte", bemerkt Heinegegen Moser bei der Nachricht von Gans' Übertritte zum Christenthum,ist ganz überflüssig, insofern ich ihn jetzt nicht weniger liebe; als srüher-hin. So leicht wird es mir nicht, Liebe aus meinem Herzen zu reißen.Das ist es eben, was mir so viel' Schmerzen im Leben verursacht hat.Was ich liebe, liebe ich für immer".Ich habe mich davon überzeugt,und leider überzeugt", schreibt er bei einer andern Gelegenheit,alle Ge-fühle, die mal in meiner Brust aufgestiegen sind, bleiben ungcschwächtund unzerstört, so lange die Brust selbst und Alles, was darin sich bewegt,unzerstört bleibt". Dieselbe Gesinnung klingt aus dem drastischen Zurufhervor:Ich liebe dich von ganzer Seele und bin kein Schuft wenndu diese Formel im Kopfe behältst, werden dir meine Ausdrücke niemissfalleu". Und wer die Sprache des Humors zu deuten weiß, wirdeinen ähnlichen Grundton auch in folgendem scherzhasten Geplauder er-kennen:Liebe mich um der wunderlichen Sorte Gefühls willen, die sichbei mir ausspricht in Thorheit und Weisheit, in Güte und Schlechtigkeit.Liebe mich, weil es dir nun mal so einfällt, nicht weil du mich der LiebeWerth hältst. Auch ich liebe dich nicht, weil du ein Tugendmagazin bist,und Adelungisch, Spanisch, Syrisch, Hegelianisch, Englisch, Arabisch undKalkuttisch verstehst, und mir deinen Mantel geliehen hast, und Geld ge-