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1 (1867)
Entstehung
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schütten. Mit einer glichenden Einbildungskraft, die ihm als Geschenk derNatur zugesallen, drang und wühlte er sich in die Abgründe des Daseins zhier baute sich seine Muse ihren Palast, im Reiche der Nacht und desTraumes wurde sie heimisch, hier blitzten die Kryftalle seiner Thränen,rieselten die Tropfsteine seiner Wehmuth, graute der Basalt seines Schmer-zes, gleißten die Flammen seiner Verzweiflung, höhnten die Gnomen seinerIronie, und Thränen, Wehmuth, Schmerz, Verzweiflung und Ironieschliffen sich zu Diamanten der Lieder am Prüfsteine seines guten Herzens.Dies Herz ist wirklich ein gutes und ein treu biederes, wie ich selten einsauf Erden gefunden; aber der Dichter schämt sich seiner Gutmüthigkeit,er will absichtlich seinen Zeitgenossen eckig, wild und verdorben erscheinen,und die Sucht, sich selbst in einem schlimmen Lichte darzustellen, ist biszur Schwachheit in ihm aufgereift. Es geht ihm wie manchen Männern,die sich schämen, wenn sie einmal geweint haben, weil es, wie Schlegelmit Recht bemerkt, Menschen giebt, die nicht ohne widerliche Verzerrungenweinen können, wenn ihr Gefühl auch das mildeste und edelste wäre. Ausdieser unedlen Scham, ein sanftes und rührendes Gefühl preisgegebenzu haben, entsteht bei Heine das Bestreben, der Aussprache des Heiligsteneine kleine Lästerung nachzusenden, seinem Amor immer eine Schellenkappeoder seiner Grazie den Klumpfuß beizugeben. Sein Lob wird Ironie,sein Tadel Humor, jede Zusammenstellung ist Witz, aus Liebe folgt Hohn,auf Entzücken Schlangenbiss oder doch der schwellende Stich der Wespeund dies Alles ausgesprochen in Liedern, die auf das geheimste Seelenlebendes Verfassers anspielen! Um Heine lieb zu gewinnen, ist es fast nöthig,ihn persönlich zu kennen. Freilich ist die liebenswürdige Seite seines We-sens so schalkhaft versteckt, dass es schwer hält, ihrer habhaft zu werden.Ist Dies aber einmal gelungen, so genießt man den originellsten Menschen,dessen Charakter nicht auf der Oberfläche schwimmt, sondern der studiertsein will, um selbst während der Dauer eines langjährigen Umgangs be-griffen zu werden. Eitelkeit und Stolz, die man ihm so häufig vorwirft,sind vielleicht zwei Tugenden seines Wesens".

Es würde jedoch irrthümlich sein, aus dieser im Allgemeinen zu-treffenden Charakteristik den Schluß zu ziehen, dass Heine in so jungenFahren schon mit herber Verbitterung sich gänzlich die Genüsse eineszwanglos gemüthlichen Umgangs und den anregenden Seelenaustausch mitgleichgestimmten Freunden versagt hätte. Im Gegentheil liesern die uns er-