Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
53
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neuen Rock gestohlen. Der satirische Zug verschwand dabei nicht, er verzog sich vielmehr zu einem höhnischen Grinsen.

Heine rauchte nie, und war schon als Student höchst mäßig im Ge-nuss geistiger Getränke; namentlich das Bier liebte er nicht. Man konnteihn also nicht zu der Zahl sogenannterflotter Bursche" rechnen; nur denFechtboden besuchte er fleißig, ohne jedoch große Fertigkeit im Fuhren derHieb- und Stoßwaffe zu erlangen.

Mit jüdischen Familien pflog Harry zu Bonn keinen Verkehr, und ver-mied eS im Allgemeinen, sich über seine religiösen Ansichten zu äußern.Joseph Neunzig erzählt, dass in einer Studentengesellschaft einst das Ge-spräch auf Religionssragen kam. Ein Israelit, welcher Medicin studierte,gestand, er zöge das Christenthum dem Judenthume vor und würde sichgern taufen lassen, wenn nur nicht das Dogma von der unbefleckten Em-pfängnis der Jungfrau Maria allzu fatal den Gesetzen der Wissenschastwiderspräche. Heine horte aufmerksam zu, er sagte Nichts, aber ein sar-kastisches Lächeln umspielte seine Lippen. Überhaupt sprach er wenig; erwar mehr Beobachter und Denker, als redseliger Theilnehmer an der all-gemeinen Konversation; wenn er sich in letztere einmischte, geschah es meistdurch kurze, schlagartig treffende Bemerkungen oder drollige Witze. Seltennur gewährte er selbst den vertrautesten Freunden einen offenen Einblickin das Reich seiner tiefern Empfindungen; er liebte es nicht, die Gefühleseines Herzens zur Schau zu tragen; gntmnthig und weich bis zum Über-maß, schämte er sich fast der ihm angeborenen Empfindsamkeit, und suchtedieselbe mit trotzigem Stolz unter einer schroffen, abstoßenden Umgangs-form zu verstecken.Heine", sagt, Rousseau, ") der zu seinen ältestenFugendfreunden gehörte,ist einer von denjenigen Dichtern, welche durchmannigfache, meist unverschuldete Leiden in die Dornen der Poesie hinein-gejagt wurden, um aK Nachtigallen zu singen und zu sterben. Wollte erdie Nacht des Lebens aufsuchen oder überraschte sie ihn am Morgen desGlückes: genug, seine ganze Zugend war nur ein Wechsel von Jrrsal, daserst seine Eltern, dann ihn selber betraf. Eine finstere Ansicht allermenschlichen Dinge prägte sich früh seinem Charakter ein, vielfache Reisenund Umherschleuderungen durch Thorheiten, von denen die wenigsten Jüng-linge verschont bleiben, lehrten ihn Welt und Menschen bald von einer, wieihm däuchte, unangenehmen Seite kennen, und eine sonderbare Liebe kamhinzu, brennende Naphtatropfen in das aufgeregte Meer seiner Brust zu