Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
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H. Heine schloss sich in Bonn der Burschenschaft an, ohne jedoch anden Excentricitäten einer hohlen Deutschthümelei, oder gar an den Äußer-lichkeiten einer auffallenden Kleidertracht Geschmack zu finden. Er trugfreilich während seines Aufenthalts auf der Nheinuniversität das schwarz-roth-goldene Band, das bald nachher als Abzeichen burschcnschaftlicher Gesinnungso streng verpönt ward; niemals aber sah man ihn im damals üblichen alt-deutschen Rocke, in welchem Menzel, Aarcke und die meisten andern seinerStudiengenossen einherstolzierten. Ein weißerFlauschrock im Winter, SommersRock, Hosen und Weste von gelbem Nankingzeug, die ziegelrothe Mütze-weit nach hinten auf das lichtbraune Haar geschoben, um die Rapiersticheim Boden derselben deutlich erblicken zu lassen, die Hände in den Hosen-taschen so schlenderte Heine, nachlässigen Ganges und mit vornehmenBlicken nach rechts und links schauend, durch die Straßen von Bonn.. DieZüge des blassen, kaum leichtgerötheten Gesichtes waren fein, und eherweich als scharf, nur dass sich die Mundwinkel unter dem blonden Bärt-chen häufig zu dem bekannten satirischen Zuge verlängerten, wobei auch dieMuskeln des Auges sich herabzogen, so dass letzteres nicht groß und offenerschien, sondern mit blinzelndem Ausdruck aus den zusammen gekniffenenWinrpern hervorstach.

Zoseph Neunzig, der von Fugend auf ein fleißiger Schüler der Düffeldorser Malerakademie war und derselben später in dankbarer ErinnerungeineAnatomie für bildende Künstler" gewidmet hat, porträtirte damalsmanchen seiner Freunde auf Elfenbein, unter ihnen auch Heine. Bei derersten Sitzung machte ihn Dieser besonders auf den erwähnten satirischenZug am Munde aufmerksam und bat ihn, denselben ja nicht zu verfehlen.Als ihm Neunzig nach einigen Tagen das wohlgetroffene, mit einem ge-schliffenen Glase bedeckte Miniaturbild übergab, zeigte sich Heine sehr er-freut, und rief lustig aus:So, nun wollen wir das Bild auch in Musiksetzen lassen!"

Wie die beiden Freunde in Düffeldorf Nachbarn gewesen, wurden siees auch in Bonn auf der Fosephstraße. Eines Morgens ward Neunzigvon einem Landsmanns- aufgesucht, der um eine kleine Wegzehrung bat,und dann auch nach Heines Wohnung frug. Neunzig zeigte ihm das Haus.Nachmittags kam Heine in sehr aufgeregter Stimmung hinüber und er-zählte, sein Hauswirth habe einen fremden Menschen, den er für einenStudenten angesehn, in sein Zimmer gelassen, und Dieser habe ihm seinen