Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

50

rischen Jarcke, der sich mit politischen Weltverbesserungsplänen trug, dennachmaligen servilen Publicisten der Wiener Hof- und Staatskanzlei, dasallzeit gefügige Werkzeug der ultramontanen Reaktion erkannt? Wer indem siebzehnjährigen Burschenschafter Hengstenberg, dessen Mund von deutsch-patriotischen Phrasen troff, den Begründer der neulutherischen Orthodoxie,den fanatischen Wiederhersteller der Erbsündenlehre des sechzehnten Jahr-hunderts, dem jede freie patriotische Regung ein Greuel ist? Eher schonhätte man weissagen mögen, dass aus jenem selbstgefälligen Polterer mitscharfknochigem Mongolengesicht und lang herabwallendem Haupthaar, derfo absprechend in den Studentenversammlungen auftrat, sich nach einigenWandlungen derFranzosenfresser" und Denunciant aller freisinnigen Be-strebungen entpuppen würde, welcher dem Namen Wolfgang Menzel einenwenig beneidenswerthcn Ruf verschafft hat. Früher noch, als Jarcke,traten zwei andre seiner Kommilitonen, die Gebrüder Gossler, der roman-tisch reaktionären Zeitströmung folgend, zum Katholicismns über; und vonden Jüngern der Thenns, welche auf Mackeldcy's, Welckcr's und Mitter-maier's Vorträge lauschten, dienten v. Daniels, Bauerband und v. Lindebald nachher als Universitätslehrer und juristische Schriftsteller in Wissen-schaft und Staatsleben eifrig derselben ultrakonservativen Richtung, währendder milde Bölling sich den extremen Parteien ferne hielt, und seinen Namenum so ruhmvoller denen der großen Rechtslehrer der Neuzeit beigesellte.Unter den jungen Theologen, welche damals in Bonn studierten, zeichnetesich, außer Hengstcnberg, später besonders Hagenbach als gelehrter Dogma-tiker und Kirchengeschichtschreiber aus. Wenden wir uns zu dem medici-nischen und naturwissenschaftlichen Felde, so finden wir auch hier ein Drei-gestirn nachmaliger Koryphäen der Wissenschaft, dessen Licht weit über dieengere Heimat hinaus seinen Glanz verbreiten sollte: Diefenbach übte zujener Zeit an den Schwänzen aller Hunde und Katzen, die er erwischte,seine Schneidelust, die ihn in der Folge zum ersten Operateur Deutschlandsmachte; <s) Johannes Müller, der große Physiolog, und Liebig, der Schöp-fer der modernen Agrikulturchemie, thaten bei Analysen und Experimentenden ersten Blick in die verborgenen Gesetze des Weltalls, deren sie späterso manches zum Heil und Segen der Menschheit entdeckten. Auch dieschönwissenschaftliche Literatur hatte in Simrock und Hoffmann von Fal-lersleben ihre achtungswerthen Vertreter. Elfterer tummelte mit frühreiferGewandtheit das Musenross zu zierlichen Sprüngen und sang von dem