Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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Gott in die Welt hineingeschaffen, und die der große Dichter in seinergedruckten Kleinwelt nachgeahmt hatte, und ich konnte die bittersten Thränenvergießen, wenn der edle Ritter für all seinen Edelmnth nur Undank undPrügel genoss, und da ich, noch ungeübt im Lesen, jedes Wort laut aus-sprach, so konnten Vögel und Bäume, Bach und Blumen Alles mit an-hören, und da solche unschuldige Natnrwesen ebenso wie die Kinder vonder Weltironie Nichts wissen, so hielten sie gleichfalls Alles für baren Ernst,und weinten mit mir über die Leiden des armen Ritters; sogar eine alteausgediente Eiche schluchzte, und der Wasserfall schüttelte heftiger seinenweißen Bart, und schien zu schelten auf die Schlechtigkeit der Welt. Wirfühlten, dass der Heldensinn des Ritters darum nicht minder Bewunderungverdient, wenn ihm der Löwe ohne Kampflust den Rücken kehrte, und dassseine Thaten um so preisenswerther, je schwächer und ausgedörrter.seinLeib, je morscher die Rüstung, die ihn schützte, und je armseliger der Klepper,der ihn trug. Wir verachteten den niedrigen Pöbel, der den armen Heldenso prügelroh behandelte, noch mehr aber den hohen Pöbel, der, geschmücktmit bnntseidenen Mänteln, vornehmen Redensarten und Herzogstiteln, einenMann verhöhnte, der ihm an Geisteskraft und Edelsinn so weit überlegenwar. Dulcinea's Ritter stieg immer höher in meiner Achtung und gewannimmer mehr meine Liebe, je länger ich in dem wundersamen Buche las,was in demselben Garten täglich geschab, so dass ich schon im Herbstedas Ende der Geschichte erreichte, und nie werde ich den Tag ver-gessen, wo ich von dein kummervollen Zweikampfe las, worin der Ritterso schmählich unterliegen muffte! Es war ein trüber Tag, hässliche Nebcl-wolken zogen den grauen Himmel entlang, die gelben Blätter fielen schmerzlichvon den Bäumen, schwere Thränentropsen hingen an den letzten Blumen, diegar traurig welk die sterbenden Köpfchen senkten, die Nachtigallen waren langstverschollen, von allen Seiten starrte mich an das Bild der Vergänglichkeit, und mein Herz wollte schier brechen, als ich las, wie der edle Ritterbetäubt und zermalmt am Boden lag und, ohne das Visier zu erheben,als wenn er aus dem Grabe gesprochen hätte, mit schwacher, krankerStimme zu dem Sieger hinaufrief:Dnlcinca ist das schönste Weib derWelt und ich der unglücklichste Ritter auf Erden, aber es ziemt sich nicht,dass ineine Schwäche diese Wahrheit verleugne stoßt zu mit der Lanze,Ritter!" Ach, dieser leuchtende Ritter vom silbernen Monde, der den mu-thigsten und edelsten Mann der Welt besiegte, war ein verkappter Barbier!"