Druckschrift 
2 (1867)
Entstehung
Seite
150
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IS0

In meinem ganzen Briefwechsel kommt keine Zeile, ja kein Wortvor, das nicht Ew. Wohlgeboren lesen könnten, denn Alles, wasich schrieb, war zugleich an Sie. Reden Sie es mit der FrauGeb. Sccr. ab, daß meine Briefe verbrannt werden, wenigstensnicht unter die Leute kommen. Mein Verlust ist ohnehin großgenug. Es ist mir unmöglich, weiter zu schreiben.

II.

Köttingen, den Z. Juli 1786.

hat mich ganz ungemein gefreut, daß Sie meine Ironieauf W.'s Abhandlung approbirt haben. Die Ausführung mußaber nun wohl unterbleiben. Ich bedauere nur mein schönesKapitel von Tritten vor den A . . . sch.

Herr Lavater hat mich zwei Mal besucht, und hat mirwirklich (offenherzig gesprochen) ungemein gefallen. tluZet (kannman bei ihm sagen) praesontia lamain. Ich hatte einen hitzigen,enthusiastischen Disputirer erwartet, er ist aber nichts weniger;jetzt wenigstens. Ich halte ihn wirklich für einen vortrefflichenKopf, den schwache Gesellschaft etwas verrückt hat. HätteLavater hier gelebt, wo man allenfalls calculirr, wo Schwärmerbloß schätzen, so würde er gewiß so vielen wahren Ruhm erhal-ten haben, als er jetzt Geschrei für sich bat. Ich wiederhole esnoch einmal: ich kann Ihnen nicht genug beschreiben, wie gutdieser Mann ist. Er meint Alles ehrlich, und wenn er betrügt,so ist er ein betrogener Betrüger. Wie sehr er auf Gründehorcht, davon muß ich Ew. Wohlgebvren ein Beispiel erzählen,allein mit der gehorsamsten Bitte, nicht viel davon ins Publicumkommen zu lassen, weil, wie Ew. Wohlgeboren wissen, manoft den schändlichsten Gebrauch davon macht.