Druckschrift 
2 (1867)
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

99

Das Leben Mendelssohns müßte unter Ihren Händen ein Fun-damentalwerk für die Menschheit werden. Toleranz, wahreGvtteserkenntniß, wahrer Protestantismus, Überzeugung, daßman, ohne Kaiser oder König von Preußen zu sein, in demeinem beschiedenen Sprengel, ohne einen Groschen auszugebensehr viel Gutes thun kann, wäre es auch nur der Almosen derVerträglichkeit und der der Zeit angemessenen Anschmiegung anLehrmeinungen, die sie noch nicht umschaffen lassen; Hoffnung,daß diese Almosen, in dem großen Schatz zur Besserung derWelt niedergelegt, dereinst sicher ihre Interessen tragen werden;Übung eigner Denkkraft der Mitglieder des Raths über Wahr-heit und Jrrthum ohne Rücksicht auf Namen; zu allem diesenwürde sich Gelegenheit finden und zwar eine, die vielleicht inJahrhunderten nicht wieder kommen mochte. Es wird sobaldkein Mendelssohn wieder sterben, und geschieht es in hundertJahren etwa einmal wieder, wird da auch ein Nikolai wiederda sein, der der Welt mit der Kenntniß und Überzeugungs-kraft für die Stärkern und mit dem Credit und der Autoritätfür die Schwächern, also für Alle auf einmal mit der Machtdes Stils, die Sie besitzen, sagen können wird, das haben wirverloren! so sieht es um unser Vaterland aus, und das müssenwir thun! Sie können das alles sonst tausendmal sagen, aberdas Publikum wird so leicht nie wieder die Disposition habenes so aufzunehmen. Man will jetzt Etwas lernen und anneh-men, und der Beifall fliegt Ihnen entgegen. O hätte ichdoch Mendelssohn gekannt wie Sie, hätte ich Ihre Erfahrungin der Welt und Ihre Thätigkeit. Ich schickte Ihnen wahrlichstatt dieses ganzen aus dem Herzen fließenden Zurufs das Msct.zum ersten Bogen. Mendelssohn wird auf diese Weise vollen-den, was er angefangen hat. Sie werden sein Leben fortleben,