Druckschrift 
2 (1819)
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

Z02

zahlreiche Freunde, wahrend selbst Bestreitungen der Wider-sacher zu ihr hinzogen. Johann Gottlicb Fichtesgeb.1762; st. d. 29 Januar 181/^ erhob die Thatsache des Be-wußtseyns zum obersten Grundsätze, aus welchem Stoffund Gestaltung alles Wissens abzuleiten scy, und suchte dieNatur der sittlichen Freyheit zu unterwerfen; erreichte auchseine Wisscnschaftolehre, mit aller ihr cigenthümlichen Folge-richtigkeit und Einheit, kcinesweges das Ziel, welches sieverfolgte; so bleibet doch die Gesinnung, aus der sie her-vorging , ehrwürdig und mehre Fichte'sche Schriften,namentlich die „Vorlesungen über die Bestimmung desGelehrten" (1794; umgearb. 1806) und die „Reden andie tcutsche Nation" (>Lo3) behaupten den Ruhm einer sogroßartigen, wissenschaftlich- sittlichen Gemeinnützigkeit,daß die aus ihre Herabwürdigung berechneten Erinnerungenan Systems-Jrrthum, fast als hämische Kleinlichkeit er-scheinen und den, der entscheidenden Werth darauf legenwill, bedaurenswcrther Beschi ä'.rtheit verdächtig machenkönnen. Friedrich Wilhelm Joseph Schcllingwird auch von denen, welche seiner Grundansicht abgeneigtsind, als Urheber der höchsten Poesie des menschlichen Gei-stes anerkannt; sein von allumfassender tiefer Betrachtungder Natur und ihrer Einheit mit Freyheit ausgehendesStreben nach unbedingter Weltwissenschaft erwartet seineWürdigung von der unbefangenen Nachwelt; diese hatGerechtigkeit und Dank für alles Große, wenn es auch,eben weil es groß ist und kein Tagewerk für Endlichkeit ist,unvollendet bleibt. Welche Kräfte sind geweckt, welcheWährungen angeregt, welche Aufgaben und Hofnungcnsind in das tief bewegte Leben eingetreten und nehmendie edelste Thätigkeit des Geistes in Anspruch! Keiner, dersehen kann und will, wird unbeachtet lassen, was in allen