Druckschrift 
2 (1819)
Entstehung
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schaftliche Romanenlescrey auf Sittlichkeit, gründlicheStudien und bürgerliches Leben gehabt habe; und fürwahrtst der, oft hart ausgesprochene Unwille darüber nichtschwer zu rechtfertigen. Die überhandnehmende Nomanen-wuth stehet jedoch mit anderen Zeichen der Zeit in engerVerbindung und Wechselwirkung; sie ist nicht für sich alleinzu nehmen, sondern immer ihr Zusammenhang mit Verän-derungen und Verschlechterungen gesellschaftlicher Anstaltenund Verhältnisse zu beachten. Sie kann den hcrzlichwahrerGottesfurcht, bcy Berufstreue, bcy tcutschem Ernste desLebens nicht statt finden. Lesen Knaben und Jünglingewährend öffentlicher Unterrichtsstunden Romane, so tau-get gewiß die häusliche Erziehung eben so wenig, wiedie Schule; in der Regel ist es Schuld der Herrschaften,wenn ihre Dienstboten öfter in das Schauspielhaus, als indie Kirche gehen und lieber in Romanen als in Bibel undGesangbuch lesen; und auf übcle Beschaffenheit des bürger-lichen Hauswesens läßt sich mit ziemlicher Sicherheit schlieftsen, wenn die Köpfe der Kinder durch Romane verrücktwerden. Zu gröberem Sittenverderbnisse dürsten unsereRomane am wenigsten Veranlassung gegeben haben; derschmutzigen oder heimlich verführerischen und die Reinheitunschuldiger Herzen befleckenden ist Gottlob eine äußerstkleine Anzahl und es gereichet der teutschcn Lesewelt zurEhre, daß keiner ein ausgezeichnetes Glück gemachthat. Ist aus manchen Gift gesogen worden, so dürftesich in den meisten Fällen die Zurechnung der Schuldbcy Gebern und Empfängern das Gleichgewicht halten; "wer für Aergerniß empfänglich ist, wird es auch in besserenSchriften finden. Doch soll keineswcgcö die Gefahr abge-leugnet werden, welche durch unvorsichtige Wahl der Un-terhaltungsbücher die Reinheit der Einbildungskraft be-