Druckschrift 
2 (1819)
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

2!4

herziges Gericht ergehen. Selbst gegen Friedrich, dessenfrcycr Geist und thatenrciches Kriegs- und Staatslcbcnso wohlthätig auf Teutschlands geistige Erhebung einge-wirkt hatten, bewährte sich die von ihm entfesselte Machtder öffentlichen Meinung und die furchtlose Frcymüthig-keit teutscher Schriftsteller, als er störst ein Urtheil überdeutsche Nationallitteratur abgab, welches seine Unkundederselben bewies und leichter widerlegt als berichtigt wer-den konnte.

Das, was als Menschenverstand bezeichnet und gel-tend gemacht wurde, erlangte gewaltiges Ansehen und ge-wann fortschreitend mehr Sicherheit und Selbstvertrauen.Er lehnte sich auf gegen seine Pflegerin, die alt und schwachgewordene Schulphilosophie und wollte nur Erfahrung,die vermeintlich sich jedem darbiete und Keinen tauschenkönne, als Wegweiserin anerkennen; er predigte fast un-beschränkte Duldung und wähnte eine Mittelstraße zu scheu,die durch alle Gewirre der Meinungen zu der Wahrheit,wie sie hieniedcn dem Menschen frommt, und zu dem Wohl-sehn, dessen das gesellschaftliche Leben fähig ist, am sicher-sten und kürzesten hinführe. In Angelegenheiten der Reli-gion drängte sich vornehm eitle Veruunftmäßigkcit immerzuversichtlicher hervor und mußte bald sehr Viele zu kalterGleichgültigkeit, zu sittlich verderblicher Partcylosi'gkeit,zur Nachsicht gegen Leichtfertigkeiten und Gcmüthsunzuchtstimmen; kaum daß dem demüthig höheren Glauben dieRechte der Duldung, welche an der Tagesordnung waren,anders als mit einer Art von Verachtung zugestanden wur-den. Für den Selbstgcbrauch der Vernunft sollte die Kinder-wclt von der Wiege an, nach neuer Weise, ganz natürlich unddoch ohne der Natur zu folgen, erzogen werden; vieles,was Pasedow fc774 fll.fj und seine Freunde und Mit-