und des Witzes, des Tones und der Sprache; sie würden ih-ren Verfasser unsterblich machen, wenn nichts als sie vondemselben bekannt geworden wäre. Die friedliche unddennoch für unzählig Viele hart polemische, köstliche Dar-stellung der „Erziehung des Menschengeschlechts" setzte denKriegsthatcn des ruhmvollen Streiters die Krone auf.
In dieselbe Zeit fällt auch Lessing's dichterische Vol-lendung, hervorgegangen aus polemischen Elementen; erdichtete „Nathan den Weisen" (>779), ein Schauspiel,welches das Eigcnthümlichste seiner religiösen Ansicht undseines menschlichen Gefühles so lebendig ausdrückt, daß esin strengerem Sinne ein Werk des Gemüthes, ein treuerSpiegel der Gesinnung, ein Abglanz der Begeisterung fürreine Vernunft heißen kann. Der Stoff ist von B 0 cac-cio entlehnt; dir Einheit, welche der Verarbeitung durchgeschichtliche Haltung, gelungene romantische Gruppiningund philosophische Würde des rhetorisch-polemischen To-nes gegeben worden ist, und das Verdienst der sich in na-türlicher Leichtigkeit bewegenden Handlung und eines vor-trcflichcn Dialogs gehören dem Dichter an; Key so vielenund großen Vorzügen kann die Nachlässigkeit und Härteder Jamben, in welchen das Drama geschrieben ist, derSchönheit des Ganzen keinen Eintrag tlmn. Was Les-sing vorher als dramatischer Dichter geleistet hatte, warfür das Zeitbedürimß der deutschen Bühne von großer Be-deutung und nachhaltiger Wirkung, aber mehr das Er-gcbniß kritischer Kunst, als reife Frucht dichterischer Erhe-bung, welche den von Einem Gedanken und Streben er-griffenen und durchdrungenen Geist beurkundet. Die Ju-gendarbeiten s>7st7 - >749i, der junge Gelehrte, der Mi-sogyn, dieJudcn, der Freygeist und der Schatz, sind Nach-bildungen antiker Muster und zeichneten sich unter den