Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
139
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weit ausgcsponncne Ganze mehr ermüdende Seltsamkeit,als überraschende und die Geschäftigkeit des Einbildungs-vermögens unterhaltende Neuheit annimmt. Eben diesevornehme Rätselhaftigkeit, diese Umgebung der Wirk-lichkeit mit einer, weniger aus dem Geschehenen als ausabsichtlicher Einkleidung desselben hervorgehenden gehcim-nißvollen Ucbcrnatürlichkeit, erkläret den Beyfall, wel-chen ein solches Werk in einem zwischen Forschung undGefühl schwankenden, zwischen Gegenwart und Vergan-genheit getheilten Zeitalter bey der zur Gelehrsamkeit sichhinneigenden Lesewelt gefunden hat. Seine Haltung undRichtung ist sittlich; der Ton höfisch geschlissen und natür-lich vornehm, die Sprache hart, aber ernst und würdig,der jambisch-trochäische Versbau mit willkührlich wech-selnden männlichen und weiblichen Reimen minder wohl-lautend als in den älteren Dichtwerken der schwäbischenZeit. In der Umarbeitung des Gedichts durch Bur-kard Wald is (Frankfurta.M.-Z5Z; 1S6Z; iZZgFol.1696. 12.) hat es hie und da in Ansehung der Sprachegewonnen, aber durch hervorgehobenen sittlichen Lehrtonviel von ursprünglicher Eigenthümlichkeit verlohrcn; diejüngere Erneuerung durch Matthäus Schuttes (Ulm»679 ; i6gZ. F.) ist mißlungen.

Aber wenden wir uns zu dem, was im eigentliche-ren Sinne den schriftstellerischen Reichthum dieses Zeital-ters ausmacht und die dichterische Kunstgestalt desselbenam anschaulichsten erkennen läßt. Unter den, oft kunst-voll gebauten, oft überraschend leicht dem Gehöre sichanschmiegenden und in faßlichem Gesammt - Eindruckebehaltbaren Mcisterlicdern zeichnen sich viele durch tiefeWahrheit und Kräftigkeit des Gefühles aus; die meistenund besten sind als Volksgesänge, auch wenn sie anfgc-