Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
131
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Gewohnheit, Gesinnung und Wandel freykräftig ordneund bestimme. Er lehrte die Menschen in sich gehen,durch geistige Anschauung das Geheimniß der höheren Be-stimmung ahnden, im Inneren selbst finden, was äusser-lich nie oder nur höchst dürftig gegeben, selbstglaubigschaffen, was durch fremde buchstäbliche Ueberlieferungnimmer zu Stand gebracht werden kann. Dieses großeZiel erstrebte Tauler in seinen Predigten und geistlichenErbauungsschriften; daß er den rechten Weg zum Herzendes Volkes gefunden hat, bezeugen die Erscheinungen imteutschcn Volksleben der folgenden Jahrhunderte, beur-kundet die Achtung, welche Johann Arndt (der seinLeben beschrieb), Philipp Jakob Spener, derenGeistesverwandte und die Frommen auch unserer Zeit ihmzollen. Seine Predigten, welche er lateinisch entwarfund in elsaßischer Mundart vortrug, und seine Erbau-ungsschriften, von der Nachfolge des armen Lebens Christi,von der göttlichen Liebe, von der christlichen Tugend,vom Leiden des Erlösers u. s. w., enthalten einen reichenSchatz herzlich-frommer, die geheimste Sehnsucht unddas edelste Bedürfniß des Gemüths ansprechender Betrach-tungen, Winke und Andeutungen. Seine Darstellungist abgebrochen, gedrangt, sinnvoll; das namenlose tiefeGefühl ringet mit dem Ausdruck. Er gewann der Mut-tersprache zuerst den Kunstausdruck für Vorstellungen dersittlichen Vernunft und Empfindung ab und stattete siemit Bereicherungen aus, welche der Eifer unserer Tagefür Reinheit und Fülle der teutschen Sprache nicht unbe-achtet lassen sollte. Seine Werke haben schon in älterenAusgaben (LeipzigiHyg.4; Augsb. -5o3; Basel 1Z21. F.)manche Veränderungen erfahren, indem die Predigtennachgeschrieben und provinziellen Mundarten anbequemr

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