Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
58
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S8

besonders der durch weite Reisen, Umgang mit Fürstenund Großen an Weltkenntniß reiche Walt her von derVogclweide im oberen Thurgan lst. vor i25o?z, vondichterisch-glänzender Naturanlage, voll Vaterlandsliebe,frcymüthig gegen Ucbermuth der Geistlichkeit, ein heite-rer und gefälliger Sänger, fruchtbar an Gedanken, gleichedel, wie faßlich im Ausdrucke, umsonst versuchten diesealle ihre Künste gegen ihn; Wolfram von Eschcn-bach und Reinmar der Alte, wahrscheinlich auch derVideler (Tonstkünstler) benannt, aus den Rheingegen-den, Waith er's Freund und mit diesem am österreichi-schen Hofe, tief suhlend, aber bilderarm, hinneigend zumGesuchten, Herr eines wohllautenden Ausdruckes, äußer-ten sich als Kampfrichter und Zeugen; der Sieg desOfterdinger's mochte schon nicht mehr zweifelhaftscheinen, als sein Blick auf das schöne Auge der Land-gräfin Sophie fiel und erstarrend daran haftete; so wurdeer verwirrt und unterlag; bey derselben hohen Frau,deren Schönheit ihn des Sieges beraubte, fand er retten-den Schutz gegen die Strafe, welche dem Besiegten ange-droht war. Aber er konnte nicht verschmerzen, daß ihmsein alter Sängerrnhm durch offenkundigen Ausspruchentrissen werde und berief sich also auf die letzte Entschei-dung Klingsohr's, eines der größten Gelehrten undDichter seiner Zeit, als Naturforscher, Sternkundiger,Zauberer und Schwarzkünstler im dreyzchnten Jahrhun-dert eben so angestaunt, wie Faust im fünfzehnten;Heinrich reiste selbst nach Siebenbürgen, wo der Wun-dermann als staatlich besoldeter Diener des KönigsAndreas II. von Ungern lebte, nm ihn abzuhohlcn; beidekamen lgegen Ende des Jahrs »207! auf der Wartburgan und es begann der zweyte Theil des Dichterkriegcs.