Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

65

fcrnnng wicderhohlt. Der Dichter ringet dem einfachenoder wundersam verflochtenen Reime Einklang mit seinenEmpfindungen ab und ihre Gestalt, bald ernst, feierlich,düster, bald heiter, frisch und jauchzend soll sich abspiegelnin seinen Tönen. So entspricht Alles im äußeren Ge-bäude dem inneren Zustande und Streben mit wahrhaftmalerischer Eigenthümlichkcit.

Die Zahl der Dichter im Schwäbischen Zeitalter, dasheißt bis zum Ausgange des dreizehnten Jahrhunderts, istsehr groß; sie belänft sich gewiß nahe an dreyhundert;von denen viele nur dem Namen nach und viele nicht ein-mal so weit bekannt sind; immer werden noch neue Ucber-bleibscl, neue Fingerzeige und Nachweisnngen, zum Thcileauch dürftige Nachrichten von Minnesingern aufgefunden.Nur einige der berühmtesten können hier erwähnt wer-den. Die ältesten Minnesänger scheinen verschollen zuseyn; vielleicht gehörten ihre dichterische Spiele zu aus-schließlich dem Hofe und der Ritterwelt an, um durchdas Volk erhalten werden zu können; vielleicht wurdensie durch volksthümlichere verdrängt. Als einer der äl-testen Dichter des Schwäbischen Zeitalters gilt Heinrichvon Ncldegk, welcher im ersten Jahrzehend des drey-zehnten Jahrhunderts noch gelebt zu haben scheinet.Nicht blos das Verschmelzen des Niedertentschcn in die,wir wissen nicht, ob eigentlich durch ihn selbst, beson-ders in seinen Liedern vorherrschende schwäbische Mund-art, sondern weit mehr noch die Richtung seiner dichte-rischen Beschäftigungen erinnern an die Zeit, in welcherdie geistigen Bestrebungen kirchlicher und ritterlicher odervolksthümlichcr Schriftgclehrten sich begegneten und ineinander eingriffen. Heinrich v on Vcldeg k soll dieLegende vom heil. Gervasius in Reime gebracht haben;